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Hippokrates Kochclub® informiert: PFAS in Rindfleisch & Milch – Eine unterschätzte Gefahr für die Gesundheit durch Lebensmittel?

Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) sind eine Gruppe synthetischer Chemikalien, die in Industrie & Konsumgütern weit verbreitet sind.

Aufgrund ihrer chemischen Stabilität sind sie extrem persistent in der Umwelt, reichern sich in Organismen an und stehen im Verdacht, gesundheitsschädlich zu sein.

Lebensmittel sind dabei relevante Expositionsquellen für den Menschen.

PFAS umfassen Substanzen wie PFOS, PFOA, PFHxS & PFBS.

Sie sind wasser-, fett- & schmutzabweisend, weshalb sie in Textilien, Kochgeschirr, Verpackungen und Löschschaum verwendet werden.

PFAS wurden in Milch, Rindfleisch, Trinkwasser, verarbeiteten Lebensmitteln, Fisch, Eiern und sogar Biogemüse nachgewiesen.

Kochgeschirr mit Antihaftbeschichtungen und Lebensmittelverpackungen (z. B. beschichtete Pappbecher, Fast-Food-Verpackungen) tragen ebenfalls zur Exposition bei.

Synergieeffekte zwischen PFAS & Pestiziden im Raufutter können die toxische Wirkung verstärken, etwa durch Beeinflussung der Leberenzyme und der Aufnahmefähigkeit im Darm.

PFAS in Rindfleisch & Milch stellen ein ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko dar – besonders bei Stallfütterung mit belasteter Silage.

Säuglinge, aber auch Erwachsene, sind durch diese Lebensmittel gefährdet.

Die Weidehaltung bietet Schutz, aber systemische Maßnahmen sind notwendig, um PFAS in der Umwelt und Nahrungskette zu reduzieren.

Da PFAS chemisch sehr stabil sind und sich durch Hitze oder einfache Verarbeitung kaum abbauen, ist der Spielraum für ihre Entfernung in der Küche begrenzt.

Dennoch gibt es Strategien, um die Belastung zu senken oder zumindest die Aufnahme durch gezielte Zubereitung und Auswahl zu reduzieren:

Die Verwendung von Aktivkohle- oder Umkehrosmose-Filtern kann PFAS im Trinkwasser signifikant reduzieren. Besonders bei der Zubereitung von Babynahrung mit Milchpulver ist dies eine effektive Schutzmaßnahme.

PFAS sind lipophil, binden sich aber nur teilweise an Fett.
Zwar könnten gewisse PFAS-Anteile beim Konfieren in das Öl übergehen, jedoch ist der Effekt begrenzt, da diese Stoffe im Gewebe stark gebunden sind. Konfieren könnte bei fettreichem Fleisch wie Leber oder Niere geringe Mengen auslaugen, sicher entfernt wird PFAS dadurch jedoch nicht. Ein Vorteil ist, dass das Fett nach der Zubereitung getrennt entsorgt, werden kann.

Antihaftpfannen mit fluorhaltiger Beschichtung (z.B. Teflon) können bei hohen Temperaturen PFAS freisetzen.
Diese Migration ist zwar gering, dennoch wird empfohlen, alternative Materialien wie Edelstahl, Gusseisen oder Keramik zu verwenden, um zusätzliche Exposition zu vermeiden.

Verpackungen aus fettabweisendem Karton (z.B. für Fast Food oder Mikrowellenpopcorn) sind bekannte PFAS-Quellen. Lebensmittel sollten nicht in diesen Verpackungen erhitzt werden. Durch Umfüllen und Erwärmen in Glas- oder Keramikgeschirr kann die Aufnahme verringert werden.

Die Zubereitung mit gefiltertem Wasser ist eine der effektivsten Maßnahmen zur PFAS-Reduktion – insbesondere bei Babynahrung.

PFAS-Konzentrationen in Milch

Aktuell gibt es keine direkten Nachweise, dass PFAS (z. B. PFOS oder PFOA) in natürlichen Exosomen gebunden oder durch sie transportiert werden.

Die derzeitige Literatur zeigt:

  • Transport nicht-polaren oder persistenten Umweltgiften wie PFAS durch Exosomen wurde bisher nicht beschrieben.
  • Andere Nanopartikel (z. B. Liposomen oder künstliche Vesikel) wurden für PFAS-Bindung untersucht – natürliche Exosomen jedoch nicht.

Da PFAS amphiphile Eigenschaften besitzen (lipophile und hydrophile Enden), wäre theoretisch eine Interaktion mit der Lipidmembran von Exosomen denkbar – z. B. durch Einlagerung in die Membran oder durch Bindung an Proteine, die in Exosomen enthalten sind.

PFAS-Konzentrationen in Milch liegen im Bereich von Nanogramm pro Gramm, während natürliche Exosomen in großer Zahl (10⁸–10⁹/ml) vorkommen.

Ja – PFAS können direkt an bestimmte entgiftende Leberenzyme binden und deren Funktion hemmen. Besonders betroffen sind Enzyme des Cytochrom-P450-Systems, zentrale Akteure im Stoffwechsel und der Entgiftung von Xenobiotika.

PFAS binden direkt oder indirekt an entgiftende Leberenzyme, insbesondere des Cytochrom-P450-Systems, hemmen deren Aktivität und verändern die Genexpression von Transport- und Entgiftungspfaden. Das trägt wesentlich zur Hepatotoxizität von PFAS bei.

Zwar gibt es keine Studien, die explizit die Wirkung von Silymarin auf die Entgiftung von PFAS belegen, doch Silymarin & bestimmte Heilpflanzen sind wissenschaftlich gut dokumentiert für ihren schützenden Einfluss auf die Leber bei Umweltbelastungen und können deshalb auch im Zusammenhang mit PFAS-belasteten Lebensmitteln unterstützend wirken.

  • Curcumin (Kurkuma): Entzündungshemmend, antioxidativ, kann Leberfibrose vorbeugen.
  • Glycyrrhizin (Süßholz): Wirkt antiviral und antioxidativ, schützt vor hepatischer Zellschädigung.
  • Andrographis paniculata (Kalmegh): Fördert die Leberentgiftung, schützt vor Toxinen.
  • Camellia sinensis (Grüner Tee): Polyphenole wirken antioxidativ und fördern Leberfunktion.
  • Antioxidative Effekte: Neutralisieren freie Radikale, die durch PFAS-induzierten oxidativen Stress entstehen können.
  • Membranstabilisierung: Verhindert das Eindringen toxischer Stoffe in Hepatozyten.
  • Glutathion-Aufbau: Stärkt den wichtigsten zellulären Entgiftungsmechanismus.
  • Entzündungshemmung: Reduziert systemische und lokale Leberentzündungen, die durch PFAS gefördert werden.

Silymarin und bestimmte Heilpflanzen sind nachweislich wirksam bei der Unterstützung des Leberstoffwechsels, insbesondere bei oxidativem und toxischem Stress.
Obwohl keine direkten Studien zu PFAS vorliegen, ist die Anwendung bei anderen Umweltgiften gut belegt und spricht für einen schützenden Nutzen bei PFAS-Belastung.

Dr. Hans-Ulrich Jabs, MD, PhD, MACP-ASIM,
Facharzt für Innere Medizin, Geriatrie & Biochemiker,
American College of Physicians – American Society of Internal Medicine
KZAR – Kompetenzzentrum Autonome Regulationsmedizin

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