Bovaer® – Ein Futterzusatz gefährdet Ihre Gesundheit und Ihre Kinder!
Die menschliche Mikrobiota, die Gesamtheit der Mikroorganismen, die den menschlichen Körper besiedeln, ist ein komplexes Ökosystem, das eine entscheidende Rolle für die Gesundheit und das Wohlbefinden spielt. Sie umfasst Bakterien, Viren, Pilze und Archaeen, die in verschiedenen Körperregionen, insbesondere im Darm, leben.
Zusammensetzung der Mikrobiota
Die Mikrobiota ist individuell unterschiedlich und von zahlreichen Faktoren beeinflusst, darunter Genetik, Ernährung, Alter und Umwelt:
• Darmmikrobiota: Der Darm ist die mikrobielle Hauptregion mit über 1.000 bakteriellen Arten, darunter Bacteroidetes und Firmicutes, die den größten Anteil ausmachen.
• Hautmikrobiota: Unterschiedliche Mikroben dominieren je nach Hautregion, z. B. Staphylococcus epidermidis in trockenen Bereichen und Cutibacterium acnes in seborrhoischen Zonen (Grice & Segre, 2011).
• Orale Mikrobiota: Der Mund beherbergt eine komplexe Mikrobiota, die an der Bildung von Biofilmen wie Zahnbelag beteiligt ist.
Funktionen der Mikrobiota
Die Mikrobiota erfüllt zahlreiche Funktionen, die für die Gesundheit von zentraler Bedeutung sind:
• Stoffwechsel: Die Mikrobiota fermentiert unverdauliche Ballaststoffe zu kurzkettigen Fettsäuren (SCFAs) wie Butyrat, das die Darmbarriere stärkt und entzündungshemmend wirkt.
• Immunmodulation: Mikroben fördern die Entwicklung und Regulation des Immunsystems, indem sie T-Zell-Reaktionen modulieren.
• Schutz vor Pathogenen: Durch die Kolonisierungsresistenz verdrängen symbiotische Mikroorganismen pathogene Keime.
Rolle der Mikrobiota bei Krankheiten
Dysbiosen, also Ungleichgewichte der Mikrobiota, sind mit zahlreichen Krankheiten assoziiert:
• Gastrointestinale Erkrankungen: Eine gestörte Darmmikrobiota ist ein zentraler Faktor bei entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa (Frank et al., 2007).
• Metabolisches Syndrom: Veränderungen der Darmmikrobiota, insbesondere ein Ungleichgewicht zwischen Firmicutes und Bacteroidetes, wurden mit Adipositas und Typ-2-Diabetes in Verbindung gebracht (Turnbaugh et al., 2006).
• Neurologische Erkrankungen: Die Mikrobiota-Gehirn-Achse spielt eine wichtige Rolle bei Depressionen, Angstzuständen und neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer (Cryan & Dinan, 2012).
Die menschliche Mikrobiota ist ein zentraler Faktor für Gesundheit und Krankheit. Ihre Komplexität und Vielseitigkeit bieten enorme Potenziale für präventive und therapeutische Ansätze. Zukünftige Forschungen werden entscheidend sein, um das Verständnis der Mikrobiota weiter zu vertiefen und innovative Behandlungsmöglichkeiten zu entwickeln.
Bovaer® – Ein Futterzusatz zur Klimarettung
Bovaer®, basierend auf dem synthetischen Wirkstoff 3-Nitrooxypropanol (3-NOP), ist ein innovativer Futterzusatz, der die Treibhausgas-Emissionen in der Landwirtschaft erheblich reduzieren soll. Ziel ist es, die Methanproduktion bei Rindern – eine Hauptquelle landwirtschaftlicher Emissionen – zu verringern, ohne die tierische Leistung oder die Nahrungsqualität zu beeinträchtigen.
Zusammensetzung und Wirkweise
Bovaer® enthält 3-Nitrooxypropanol (3-NOP), eine chemische Verbindung, die die Aktivität des Enzyms Methyl-Coenzym-M-Reduktase hemmt, das für die Methanbildung in den Pansen-Mikroben verantwortlich ist. Diese Hemmung reduziert die Methanfreisetzung.
Stoffwechselveränderungen bei Kühen
Die Wirkung vonBovaer® beschränkt sich angeblich auf den Pansen-Stoffwechsel und führt zu einer Verschiebung der mikrobiellen Fermentation.
Potenzielle Gefahren für den Menschen
Trotz der Sicherheit von Bovaer® sind potenzielle Risiken insbesondere für empfindliche Gruppen wie Säuglinge und Kleinkinder relevant:
Die Methyl-Coenzym-M-Reduktase (MCR) ist ein Schlüsselenzym der Methanogenese und essenziell für methanogene Archaeen. Obwohl sie primär in mikrobiellen Systemen vorkommt, hat ihre indirekte Rolle in der menschlichen Gesundheit durch das Mikrobiom, die Brain-Gut-Achse und die intestinale Permeabilität (“Leaky Gut”) zunehmend an Bedeutung gewonnen.
Genetik der Methyl-Coenzym-M-Reduktase
Die MCR wird durch einen hochkonservierten Gencluster codiert, der insbesondere in methanogenen Archaeen vorkommt:
• Genstruktur: Der Gencluster umfasst mehrere Untereinheiten (mcrA, mcrB, mcrG), die für die Funktionalität des Enzyms unerlässlich sind.
• Evolutionäre Bedeutung: Die MCR gehört zu den ältesten bekannten Enzymsystemen und zeigt eine hohe genetische Stabilität, was ihre Rolle in der Methanproduktion unter anaeroben Bedingungen hervorhebt.
Epigenetik und Regulation der MCR
Die Aktivität der MCR unterliegt epigenetischen und regulatorischen Mechanismen:
• Epigenetische Kontrolle: Veränderungen der mikrobiellen DNA-Methylierung können die Expression der MCR-Gene beeinflussen. Solche Modifikationen sind abhängig von Umweltbedingungen wie Sauerstoffverfügbarkeit und Substratangebot.
• Regulation durch Substratverfügbarkeit: Die Verfügbarkeit von Methyl-Coenzym M und Coenzym B ist entscheidend für die Aktivierung der MCR. In stressreichen Umgebungen (z. B. hoher oxidativer Stress) kann die Enzymaktivität herunterreguliert werden.
Funktion im menschlichen Stoffwechsel
Obwohl die MCR selbst nicht im menschlichen Stoffwechsel aktiv ist, hat sie indirekte Auswirkungen:
• Methanogene Mikrobiota: Methanogene Archaeen, wie Methanobrevibacter smithii, die MCR exprimieren, spielen eine wichtige Rolle bei der Regulation der Fermentation im Darm und beeinflussen den Energiehaushalt.
• Energiegewinnung: Methanogene organisieren überschüssigen Wasserstoff im Darm, wodurch die Produktion kurzkettiger Fettsäuren (SCFAs) wie Acetat gefördert wird, die eine Energiequelle für den Menschen darstellen.
Mikrobiom und Brain-Gut-Achse
Die methanogenen Mikroorganismen und ihre Enzyme wie die MCR sind eng mit der Brain-Gut-Achse verbunden:
• Beeinflussung der Neurotransmitter: Methanogene Mikrobiota beeinflussen die Produktion von Neurotransmittern wie Serotonin durch die Modulation mikrobieller Metaboliten, insbesondere SCFAs.
• Methan und gastrointestinale Motilität: Methan, ein Produkt der MCR-Aktivität, ist mit einer verlangsamten Darmmotilität und funktionellen Erkrankungen wie Verstopfung assoziiert.
Leaky Gut und MCR
Ein “Leaky Gut” entsteht durch eine erhöhte Permeabilität der Darmschleimhaut, die von mikrobiellen Stoffwechselprodukten beeinflusst wird:
• Methanogene und Darmbarriere: Methanogene Bakterien fördern die Produktion von SCFAs, die die Integrität der Darmbarriere unterstützen können. Ein Ungleichgewicht kann jedoch zu einer erhöhten Permeabilität führen.
• Entzündung: Dysbiosen, einschließlich einer Überbesiedelung methanogener Archaeen, können entzündliche Prozesse fördern, die zur Entwicklung eines “Leaky Gut” beitragen.
Die Methyl-Coenzym-M-Reduktase ist ein faszinierendes Enzym, das durch methanogene Mikroorganismen zahlreiche Funktionen erfüllt, die weit über die Methanogenese hinausreichen.
Ihre Rolle im Mikrobiom, der Brain-Gut-Achse und bei der Regulation der Darmpermeabilität unterstreicht ihre systemische Bedeutung, auch wenn sie im menschlichen Stoffwechsel nicht direkt vorkommt. Weitere Studien zur epigenetischen Kontrolle und ihren Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit sind erforderlich, um diese Zusammenhänge besser zu verstehen.
Bedeutung von Metallothioneinen in Milch und Rindfleisch:
Metallothioneine (MTs) sind kleine, cysteinreiche Proteine, die für die Bindung und Regulation von Metallionen wie Zink und Kupfer essenziell sind. Sie spielen eine zentrale Rolle im antioxidativen Schutz und in der Entgiftung von Schwermetallen. In Milch und Rindfleisch tragen sie zur Nährstoffdichte und zur Stabilität der Produkte bei. Gleichzeitig hat die Verwendung von 3-Nitrooxypropanol (3-NOP) zur Reduktion von Methanemissionen in der Rinderhaltung potenzielle Auswirkungen auf die Funktion und Expression von Metallothioneinen.
Rolle der Metallothioneine in Milch und Rindfleisch
• Nährstoffbindung: Metallothioneine regulieren die Verfügbarkeit von Zink und Kupfer, die für den menschlichen Stoffwechsel essenziell sind (Vallee, 1995).
• Antioxidative Eigenschaften: Sie schützen Milch und Fleisch vor oxidativen Schäden, was die Haltbarkeit verbessert (Thomas et al., 1986).
Auswirkungen von 3-NOP auf Metallothioneine
3-NOP beeinflusst den Stoffwechsel von Methanogenen im Pansen, kann jedoch sekundäre Effekte auf die Metallothionein-Expression haben:
• Hemmung der Enzymaktivität: Studien legen nahe, dass 3-NOP die Verfügbarkeit von reaktiven Sauerstoffspezies (ROS) reduziert, die normalerweise die Expression von Metallothioneinen induzieren (Wang et al., 2001).
• Einfluss auf die Entgiftungskapazität: Eine reduzierte Metallothionein-Aktivität kann die Fähigkeit beeinträchtigen, Schwermetalle wie Cadmium oder Kupfer zu entgiften (Roesijadi, 1996).
Metabolische Effekte auf Milch und Fleisch
• Zink- und Kupferkonzentrationen: Eine Hemmung der Metallothioneine könnte die Bindung und Verteilung von Zink und Kupfer in Milch und Fleisch verändern. Dies kann die Nährstoffqualität beeinflussen.
• Langzeitwirkung auf Proteine: Da Metallothioneine an Proteinstrukturen beteiligt sind, können Veränderungen ihre Stabilität und Bioverfügbarkeit beeinflussen.
Mögliche gesundheitliche Auswirkungen auf den Menschen
• Reduzierte Nährstoffverfügbarkeit: Eine Beeinträchtigung der Metallothionein-Aktivität kann die Aufnahme essenzieller Spurenelemente durch Konsumenten beeinträchtigen.
• Schutz vor Schwermetallen: Die antioxidativen und entgiftenden Eigenschaften von Metallothioneinen in Milch und Fleisch können durch eine reduzierte Expression abgeschwächt werden.
Metallothioneine sind entscheidend für die Qualität und Sicherheit von Milch und Rindfleisch.
Der Einsatz von 3-NOP in der Rinderhaltung bietet zwar Vorteile in Bezug auf die Reduktion von Methanemissionen, kann jedoch indirekt die Funktion und Verfügbarkeit dieser Proteine beeinflussen.
Bovaer® zeigt vielfältige Wirkungen auf Mikrobiom, Fermentation, Verdauung und Fleischqualität, bisher ohne wesentliche negative Effekte auf die Tiergesundheit oder -leistung. Weiterführende Forschungen und Langzeitstudien sind notwendig, um die langfristigen Effekte auf Genetik, Entgiftung und das Immunsystem des Menschen besser zu verstehen.
Ein weiterer Wissenschafts-Hoax mit Gefährdung der Verbraucher durch Lebensmittel muss unbedingt vermieden werden!
In Deutschland besteht keine spezifische Deklarationspflicht für Fleisch von Tieren, die mit 3-Nitrooxypropanol (3-NOP) behandelt wurden. Die gesetzlichen Kennzeichnungsvorschriften konzentrieren sich hauptsächlich auf Angaben zur Herkunft und Haltungsform der Tiere.
Literaturverzeichnis
Grice, E., Segre, J. The skin microbiome. Nat Rev Microbiol 9, 244–253 (2011).
Frank, D. N., et al. (2007). Molecular-phylogenetic characterization of microbial community imbalances in human inflammatory bowel diseases. Cell Host & Microbe, 2(3), 211-219.
Turnbaugh, P. J., et al. (2006). An obesity-associated gut microbiome with increased capacity for energy harvest. Nature, 444(7122), 1027-103.
Cryan, J. F., & Dinan, T. G. (2012). Mind-altering microorganisms: the impact of the gut microbiota on brain and behaviour. Nature Reviews Neuroscience, 13(10), 701-712.
Bampidis, V., et al. (2021). Safety and efficacy of a feed additive consisting of 3‐nitrooxypropanol (Bovaer® 10). EFSA Journal.
Araújo, T. L. R., et al. (2020). Feeding 3-nitrooxypropanol reduces methane emissions. Journal of Animal Science.
Ma, X., et al. (2024). Effects of 3-nitrooxypropanol on methane emissions. Journal of Dairy Science.
Vallee, B. (1995). The function of metallothionein. Neurochemistry International, 27, 23-33.
Thomas, J. P., Bachowski, G., & Girotti, A. W. (1986). Inhibition of cell membrane lipid peroxidation by cadmium- and zinc-metallothioneins. Biochimica et Biophysica Acta, 884(3), 448-461.
Roesijadi, G. (1996). Metallothionein and its role in toxic metal regulation. Comparative Biochemistry and Physiology Part C, 113(1), 117-123.






Dr. Hans-Ulrich Jabs, MD, PhD, MACP-ASIM
American College of Physicians – American Society of Internal Medicine
Facharzt für Innere Medizin, Geriater & Biochemiker
Senior Medical Advisor, Landsberg Academy, Malta