Altersmedizin, Geriatrie, Geriontologie, SOS-Hitzeschutzplan

🔥 HITZE-SOS 2026: Was rettet alte Menschen wirklich? Keine Klimaanlage allein!

Während die Hitze erneut zuschlägt und täglich mehr ältere Menschen gefährdet, müssen wir endlich die wahren Ursachen beim Namen nennen – statt nur über fehlender Klimaanlagen zu jammern.

Das eigentliche Drama: Unsere Senioren sterben nicht primär an der Hitze selbst.

Sie sterben an einem System, das Polypharmazie toleriert, ohne die Medikamente an AuĂźentemperatur, Blutdruckregulation, Leber- und Nierenfunktion oder das dramatisch verminderte DurstgefĂĽhl anzupassen.

Viele der verschriebenen Mittel stehen auf der PRISCUS-Liste (potenziell ungeeignete Medikamente im Alter) oder gehören nach FORTA-Klassifikation (A = unverzichtbar, B = sinnvoll, C = fragwürdig, D = meist vermeiden) in die kritischen Kategorien.

Diuretika, bestimmte Blutdrucksenker, Anticholinergika, Sedativa – sie verstärken Dehydration, stören die Temperaturregulation, fördern Verwirrtheit und Stürze.

Und trotzdem werden sie weiter verordnet, ohne regelmäßige, hitzeangepasste Überprüfung.

Hausärztliche Besuche in Altenheimen beschränken sich allzu oft auf HändeschĂĽtteln, Blutdruckmessen und neues Rezept. 

– In der geriatrischen Rehabilitation wird Mobilität ĂĽberbetont, während die Pathophysiologie der Sarkopenie (altersbedingter Muskelschwund) und kognitiver Beeinträchtigungen ignoriert wird. 

Geriatrische Weiterbildung? Bei vielen Ärzten Fehlanzeige.

Das ist kein Einzelfall. Das ist strukturelles Versagen in einem System, das alte Menschen im Stich lässt, wenn es wirklich zählt.

âś… Konsequente, regelmäßige Medikamenten-Reviews mit PRISCUS-Liste und FORTA-Klassifikation – besonders vor und während Hitzewellen. Deprescribing, wo sinnvoll. 

✅ Ambulante Elektrolyt-Infusionen und gezieltes Flüssigkeitsmanagement dort, wo sie Leben retten – statt unnötiger Klinikeinweisung

âś… Verpflichtende geriatrische Fortbildung fĂĽr alle Ă„rzte, die alte Menschen behandeln. 

✅ Ganzheitliche Betreuung in Heimen und Reha: Flüssigkeitsstatus, Kognition, Sarkopenie und Mobilität zusammen denken.

Und ja – es ist Zeit, dass sich Ärzte wieder an ihre großen antiken und naturheilkundlichen Kollegen erinnern:

Hippokrates lehrte schon vor ĂĽber 2.400 Jahren in „Über die Umwelt“: Gesundheit hängt von Luft, Wasser, Jahreszeiten und Lebensweise ab. 

Sebastian Kneipp zeigte mit seinen Wasseranwendungen, wie man Kreislauf, Abwehr und Regulation natĂĽrlich stärkt. 

Emanuel Felke setzte auf natürliche Heilmethoden, Ernährung und die Selbstheilungskräfte des Körpers.

Ihre Hitzeschutzpläne waren präventiv, regulierend und ganzheitlich – ohne die heutige Polypharmazie-Explosion. Statt nur Pillen zu verschreiben, regelten sie den Organismus.

Unsere Alten haben dieses Land aufgebaut, Kinder großgezogen, Kriege und Krisen überlebt. Sie verdienen eine Medizin, die sie in der Hitze schützt – keine, die sie durch Übermedikation, oberflächliche Visiten und fehlende geriatrische Kompetenz gefährdet.

Hitzeaktionspläne, die Medikamentenmanagement und ambulante Versorgung priorisieren! 

Mehr geriatrische Expertise in der Hausarztpraxis und in Heimen

Weniger reflexartiges Krankenhaus – mehr Prävention, Anpassung und echte Fürsorge!

Tagt Euren Hausarzt, Eure Pflegeeinrichtung, Eure Abgeordneten und die Gesundheitspolitik

Für unsere Senioren. Für eine Medizin, die verdient, „Fürsorge“ genannt zu werden.

Deprescribing bedeutet die systematische, geplante Reduktion oder das Absetzen von Medikamenten, bei denen der Nutzen nicht mehr die Risiken ĂĽberwiegt oder die nicht (mehr) indiziert sind.

Besonders relevant bei Polypharmazie (≥5–10 Medikamente), Multimorbidität und in vulnerablen Situationen wie Hitzewellen, wo viele Priscus-PIMs (potenziell ungeeignete Medikamente) die Thermoregulation stören, Dehydration fördern oder das Durstgefühl weiter mindern.

Ziel: Weniger Nebenwirkungen (Stürze, Delir, Hospitalisierungen), bessere Lebensqualität, höhere Adhärenz und Vermeidung unnötiger Krankenhauseinweisungen.

Polypharmazie mit ≥8–10 Medikamenten.

Auftreten neuer Symptome (z. B. Verwirrtheit, StĂĽrze, MĂĽdigkeit, die auf Nebenwirkungen hindeuten).

Hitzewellen: ĂśberprĂĽfung aller Medikamente auf hitze-relevante Risiken (z. B. Diuretika, Anticholinergika, bestimmte Antihypertensiva, Sedativa).

Veränderte Patientensituation (z. B. eingeschränkte Nieren-/Leberfunktion, Sarkopenie, kognitive Beeinträchtigung, begrenzte Lebenserwartung).

– Nach Krankenhausaufenthalt oder bei Aufnahme in Pflegeheim.

PRISCUS-Liste 2.0 (2023): Identifiziert 177 potenziell ungeeignete Wirkstoffe/Klassen für ≥65-Jährige. Hohe Priorität für Deprescribing (z. B. bestimmte PPI >8 Wochen, bestimmte Antidiabetika wie Glibenclamid, Anticholinergika). Enthält Alternativen und Monitoring-Empfehlungen.

FORTA-Klassifikation: Positiv-Negativ-Ansatz (A = unverzichtbar, B = nĂĽtzlich, C = fragwĂĽrdig, D = vermeiden). Hilft, Unter- und Ăśbertherapie zu erkennen.

– Weitere: STOPP/START-Kriterien (Version 3), STOPPFall, STOPPFrail, EU(7)-PIM-Liste, Medication Appropriateness Index (MAI).

Praktische Ressourcen: deprescribing.org (Algorithmen fĂĽr spezifische Substanzklassen), medstopper.com.

1. Vollständige Medikationserfassung (Brown-Bag-Methode): Patient bringt alle Medikamente (inkl. OTC, Nahrungsergänzung) mit. Medikationsplan prüfen.

2. Indikation & Nutzen-Risiko bewerten (fĂĽr jedes Medikament):

   – Ist die Indikation noch aktuell?

   – Nutzen vs. Risiken (Lebenserwartung, Funktionsstatus, PatientenwĂĽnsche berĂĽcksichtigen).

   – Priscus/FORTA-Check + hitzespezifisch: Stört es Thermoregulation, FlĂĽssigkeitsbalance oder DurstgefĂĽhl?

   – Höchste Priorität: PIMs nach Priscus (D nach FORTA), Medikamente mit klaren Nebenwirkungen, Duplikate, präventive Mittel bei kurzer Lebenserwartung.

   – Beispiele fĂĽr Hitze-relevant: Diuretika (Dehydration), Anticholinergika (Schwitzen gestört, Delir-Risiko), Sedativa (StĂĽrze).

   – Ein Medikament nach dem anderen reduzieren/absetzen (auĂźer in Akutsituationen).

   – Tapering bei Bedarf (z. B. PPI, Antidepressiva, Benzodiazepine, Betablocker, Steroide, Opioide – abruptes Absetzen vermeiden!).

   – Alternativen prĂĽfen (nicht-pharmakologisch oder sicherere Wirkstoffe).

Nutzen/Risiken erklären, Ängste ansprechen („Rebound“-Symptome), Ziele des Patienten (z. B. weniger Tabletten) erfragen.

   – Engmaschig (1–4 Wochen nach Ă„nderung): Symptome, Vitalwerte, Labor (z. B. Elektrolyte, Nierenwerte bei Hitze!).

   – Notfallplan: Wann wieder einnehmen?

   – Dokumentation & Kommunikation (an Pflege, Angehörige, andere Ă„rzte).

PPI (Protonenpumpenhemmer): Bei >8 Wochen ohne klare Indikation → schrittweise reduzieren auf Bedarfsmedikation. Hohes Priscus-Risiko (Infektionen, Frakturen).

Benzodiazepine/Sedativa/Z-Substanzen: Langsam ausschleichen (Wochen/Monate), Nicht-pharmakologische Alternativen (Schlafhygiene).

Antipsychotika (bei BPSD/Demenz): Niedrigdosierte Dauertherapie oft unnötig → Versuch des Absetzens unter Monitoring.

Antihypertensiva/Diuretika: Bei Hitze vorsichtig anpassen (Orthostase, Dehydration). Zielwerte im Alter individuell (weniger streng).

Anticholinergika: Starkes Delir- und Hitzestress-Risiko → Alternativen suchen.

Hitze-spezifisch: Vor Hitzewellen systematisch reviewen (z. B. alle Diuretika/Beta-Blocker/Anticholinergika prĂĽfen), FlĂĽssigkeitsmanagement optimieren und ggf. ambulante Elektrolyt-Support einplanen.

Widerstände: Patientenängste, „Gewohnheit“, Haftungsfragen → gute Aufklärung und Dokumentation schützen.

Team-Approach: Apotheker, Pflegekräfte, Geriatrie-Spezialisten einbeziehen.

Erfolgsmessung: Weniger Stürze, bessere Kognition, höhere Lebensqualität, weniger Hospitalisierungen.

Ressourcen: FORTA-App, Priscus-Liste (kostenfrei herunterladbar), hausärztliche Leitlinie „Multimedikation“.

Deprescribing ist kein einmaliges Event, sondern eine laufende, patientenzentrierte Aufgabe – besonders in der Geriatrie und bei Hitzewellen.

Studien zeigen: 30–50 % der Medikamente können oft sicher reduziert werden, mit positiven Effekten.

Wichtiger Hinweis: Dies ist allgemeine Information. Individuelle Entscheidungen immer unter ärztlicher Aufsicht treffen.

Dr. Hans-Ulrich Jabs, MD, PhD, MACP-ASIM
Independent Research • Internal Medicine • Geriatrics • Dermatology • Biochemistry • Longevity-Coherence Researcher • Medical Advisor.
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