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🧠 Der Einfluss der Definition von „Risikofaktoren“ – Statistik vs. Realität

In der modernen Kardiologie basiert der Rückgang von Herz-Kreislauf-Sterblichkeit maßgeblich auf der Identifikation & Behandlung sogenannter RisikofaktorenBluthochdruck, Hypercholesterinämie, Rauchen, Diabetes etc.

Doch ein genauerer Blick zeigt:

Multivarianzanalyse: Risiko ist modellabhängig

  • Risikobewertungen wie der Framingham Score, SCORE2 oder QRISK3 beruhen auf multivariaten statistischen Modellen – sie kombinieren Alter, Blutdruck, Lipide, Rauchstatus usw.

  • Diese Modelle gewichten Risiko, aber sie verändern nicht unmittelbar das individuelle Outcome.

  • Beispiel: Durch Senkung des „Grenzwerts“ für Bluthochdruck von 140/90 auf 130/80 (wie 2017 in den USA) stieg die Zahl der „Hypertoniker“ sprunghaftohne dass sich die reale Krankheitslast veränderte.
  • Durch Früherkennung und breitere Definitionen (z. B. Prädiabetes, metabolisches Syndrom) werden heute mehr Menschen als „krank“ oder „gefährdet“ eingestuft als je zuvor – oft ohne Symptome oder eingeschränkte Lebensqualität.
  • Ein Risikofaktor ist ein Wahrscheinlichkeitsmerkmal, keine Diagnose. Die bloße Anwesenheit von Bluthochdruck oder LDL über 160 bedeutet nicht zwangsläufig, dass jemand krank ist oder leidet.

  • Trotzdem: Die medikamentöse Behandlung wird oft unabhängig vom subjektiven Wohlbefinden begonnen.
  • Der Rückgang der Herz-Kreislauf-Sterblichkeit ist real – aber auch ein Teil davon ist ein Produkt veränderter Definitionen, Grenzwerte & statistischer Konstruktionen.

Dr. Hans-Ulrich Jabs, MD, PhD, MACP-ASIM,
Facharzt für Innere Medizin, Geriatrie & Biochemiker,
American College of Physicians – American Society of Internal Medicine
KZAR – Kompetenzzentrum Autonome Regulationsmedizin
©2025, Dr. HU Jabs.