Der molekulare Sensor für Appetit und Gewichtsreduktion
Hochwertiges Olivenöl, ein wesentlicher Bestandteil der Mittelmeerkost, wird seit Jahrhunderten wegen seiner gesundheitlichen Vorteile geschätzt. Aktuelle Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass es eine bedeutende Rolle im Anti-Aging-Prozess spielt. Insbesondere die Inhaltsstoffe Ölsäure und Oleoylethanolamid (OEA) haben sich als vorteilhaft für die Hautgesundheit, den Stoffwechsel und die Zellteilung erwiesen, was zu einer Verringerung von Entzündungen und vorzeitigem Altern führen kann.
Medizinische Vorteile für die Haut
Hochwertiges Olivenöl enthält eine hohe Konzentration an Ölsäure, einer einfach ungesättigten Fettsäure, die tief in die Haut eindringt und diese von innen heraus nährt. Studien haben gezeigt, dass Ölsäure die Hautbarriere stärkt und die Feuchtigkeitsversorgung verbessert, was zu einer glatten und strahlenden Haut führt. Zudem wirkt es antioxidativ, wodurch freie Radikale neutralisiert werden, die sonst Zellschäden und Hautalterung verursachen könnten (Servili et al., 2014).
Einfluss auf den Stoffwechsel
Neben den direkten Vorteilen für die Haut hat Olivenöl auch positive Auswirkungen auf den Stoffwechsel. Ölsäure und Oleoylethanolamid (OEA) modulieren den Fettstoffwechsel und verbessern die Insulinsensitivität. Dies hilft, den Blutzuckerspiegel zu regulieren und das Risiko für metabolische Erkrankungen zu senken, die häufig mit dem Alter zunehmen (Gorzynik-Debicka et al., 2018).
Neurotransmitter und Appetithemmung
Oleoylethanolamid OEA), eine im Olivenöl enthaltene Fettsäureamidverbindung, wirkt als Neurotransmitter und spielt eine wichtige Rolle bei der Appetithemmung im Gehirn. Es interagiert mit Cannabinoid- und PPAR-Alpha-Rezeptoren, was zu einem Sättigungsgefühl führt und somit die Nahrungsaufnahme reduziert. Dies kann hilfreich sein, um Übergewicht und damit verbundene metabolische Störungen zu verhindern (Lo Verme et al., 2005) https://www.spektrum.de/news/olivenoel-macht-laenger-satt/969670.
Entzündungshemmende Eigenschaften
Entzündungen spielen eine zentrale Rolle im Alterungsprozess. Die im Olivenöl enthaltenen Polyphenole, einschließlich Oleoylethanolamid (OEA), haben starke entzündungshemmende Eigenschaften. Diese Verbindungen hemmen die Produktion von proinflammatorischen Zytokinen und fördern gleichzeitig die Produktion von entzündungshemmenden Molekülen. Dadurch wird das Risiko chronischer Entzündungen und damit verbundener Krankheiten, die zu vorzeitigem Altern führen, reduziert (Olea et al., 2018).
Entzündungshemmung bei Sepsis
In der Bauchchirurgie, insbesondere bei Sepsis, kann Oleoylethanolamid entzündungshemmend wirken. Durch die Hemmung proinflammatorischer Mediatoren und die Modulation des Immunsystems trägt Oleoylethanolamid zur Verringerung der Entzündungsreaktionen bei und unterstützt die Heilung nach chirurgischen Eingriffen. Dies kann besonders bei Patienten mit schweren entzündlichen Zuständen wie Sepsis von großem Vorteil sein (Martin et al., 2011).
Zellteilung und vorzeitiges Altern
Ein weiterer entscheidender Faktor im Anti-Aging-Prozess ist die Regulation der Zellteilung. Hierbei spielt der mTOR-Signalweg eine wesentliche Rolle. Hochwertiges Olivenöl kann durch seine Inhaltsstoffe diesen Signalweg modulieren, was zu einer verlangsamten Zellalterung und einer verbesserten Zellgesundheit führt. Durch die Hemmung des mTOR-Signalwegs kann die Lebensdauer von Zellen verlängert und das Risiko von Zellschäden und vorzeitigem Altern verringert werden (Blagosklonny, 2012).
Hochwertiges Olivenöl bietet zahlreiche gesundheitliche Vorteile, die weit über seine kulinarischen Qualitäten hinausgehen. Durch seine positiven Effekte auf die Hautgesundheit, den Stoffwechsel, die Entzündungshemmung und die Zellteilung kann es einen wichtigen Beitrag zur Verzögerung des Alterungsprozesses leisten. Die regelmäßige Verwendung von hochwertigem Olivenöl in der Ernährung könnte somit ein wirksames Mittel im Kampf gegen vorzeitiges Altern sein.
Literaturverzeichnis
– Mannick, J.B. & Lamming, D.W. (2023). Targeting the biology of aging with mTOR inhibitors. Nature Aging, 3, 642-660.
– Gorzynik-Debicka, M., Przychodzen, P., Cappello, F., Kuban-Jankowska, A., Marino Gammazza, A., Knap, N., Wozniak, M., & Gorska-Ponikowska, M. (2018). Potential Health Benefits of Olive Oil and Plant Polyphenols. International Journal of Molecular Sciences, 19(3), 686.
– Lo Verme, J., Gaetani, S., Fu, J., Oveisi, F., Burton, K., & Piomelli, D. (2005). Regulation of food intake by oleoylethanolamide. Cell Press, 12(3), 321-326.
– Martin, L., Pérez-Cruz, C., Benavides, G., & Moreno, C. (2011). Sepsis induced by abdominal surgery: Exploring new anti-inflammatory approaches.
Current Medicinal Chemistry, 18(16), 2549-2563.
– Olea, D., Sancho, R., Vallés, S. L., Farnés, O., Castell, M., & Cerdá, B. (2018). Anti-inflammatory mechanisms of action of oleocanthal and oleacein.
Molecular Nutrition & Food Research, 62(24), 1800453.
– Servili, M., Sordini, B., Esposto, S., Urbani, S., Veneziani, G., Di Maio, I., Selvaggini, R., & Taticchi, A. (2014). Biological Activities of Phenolic Compounds of Extra Virgin Olive Oil.
Antioxidants, 3(1), 1-23.





Dr. Hans-Ulrich Jabs, MD, PhD, MACP-ASIM
Facharzt Innere Medizin, Geriater & Biochemiker
Hippokrates Kochclub® Dr. HU Jabs