Dein Körper leuchtet. Nicht sichtbar, nicht wie eine Glühbirne – sondern mit einem extrem schwachen Licht, das jede lebende Zelle ununterbrochen aussendet.
Wissenschaftler nennen es Biophotonen: ultraviolette bis sichtbare Photonen, die bei Stoffwechselprozessen entstehen, vor allem wenn angeregte Moleküle wieder in den Grundzustand fallen.
Lange galt das als bloßes Nebenprodukt der Oxidation. Eine neue Messung stellt diese Sicht auf den Prüfstand.

Erstmalig gemessen: Licht aus Astrozyten und Glioblastomzellen
Ein Team um Luca De Paolis, Elisabetta Pace und Maurizio Benfatto hat 2026 in Entropy die erste systematische Kampagne veröffentlicht, in der Biophotonen direkt aus kultivierten menschlichen Astrozyten und Glioblastomzellen nachgewiesen wurden.
Zwei hochsensible Photonen-Zählköpfe (Hamamatsu) in abgeschirmten Inkubatoren, Dunkelzählraten von nur wenigen bis etwa 20 Counts pro Sekunde – und darüber ein klarer zellulärer Überschuss.
Die Intensität allein ist nicht die Geschichte. Mit der Diffusion Entropy Analysis (DEA) – einer Methode, die Zeitserien in Diffusionsprozesse verwandelt und deren Entropiewachstum misst – fanden die Forscher anomale Diffusion und Langzeitgedächtnis.
Der Skalenexponent \(\mu\) lag bei den Zellsignalen konsistent im Bereich \(2 < \mu < 3\): schwach nicht-stationär, mit „crucial events“, also seltenen, strukturierenden Ereignissen, die nicht wie reines thermisches Rauschen aussehen.
Hintergrundmessungen ohne Zellen näherten sich dagegen dem Verhalten gewöhnlicher Gauß-Diffusion.
Astrozyten und Tumorzellen trennten sich statistisch: unterschiedliche Häufigkeit und Stärke der Extremereignisse, unterschiedliche Skalierung.
Die Autoren interpretieren das vorsichtig: Die Emission trägt mehr Information als bloße Helligkeit.
Sie könnte metabolische und pathologische Zustände kodieren – und möglicherweise interzelluläre Kommunikation.
Genau das ist der Funke für die große Frage.


Vom Zellkultur-Petri zum längsten Hirnnerv
Astrozyten sind keine Nebendarsteller. Sie bilden Syncytien, umhüllen Synapsen, regulieren Energie und Ionen und stehen in enger Wechselwirkung mit Neuronen.
Neuronen und Hirngewebe emittieren Biophotonen; Glutamat steigert die Emission; Photonen wurden an aktiven Nerven, sogar an Ranvier-Schnürringen, nachgewiesen.
Myelinscheiden werden als mögliche optische Wellenleiter diskutiert.
Der Vagusnerv ist die große bidirektionale Autobahn zwischen Hirnstamm und inneren Organen: Herz, Lunge, Leber, Darm, Milz.
Rund 80 Prozent seiner Fasern sind afferent – sie tragen Zustände der Organe ins Gehirn, nicht nur Befehle nach unten.
Er steuert Entzündung über den cholinergen anti-inflammatorischen Pfad, koppelt Darm und Psyche, moduliert Herzfrequenzvariabilität. Elektrisch und chemisch ist das gut belegt.
Eine direkte Messung „Biophoton = Vagus-Sprache“ existiert nicht.
Was existiert, ist eine wachsende konzeptionelle Brücke:
Wenn Zellen Licht als Träger von Zustand und Organisation nutzen, wenn Nerven Photonen führen können, und wenn der Vagus das schnellste und weitreichendste Verbindungssystem zwischen Gehirn und Organen ist –
dann wäre es physikalisch nicht absurd, dass ein Teil der Abstimmung nicht nur über Aktionspotenziale und Acetylcholin läuft, sondern auch über ein schwaches, kohärentes oder zumindest strukturiertes Photonenfeld.
Arbeiten zu biophotonischem Signaling auf Gewebe- und Organebene formulieren genau diese Hierarchie: Zelle → Gewebe → Organ → Organismus.


Das öffnet drei Wege:
1. Diagnostik. Wenn die Komplexität der Emission pathologische Zustände trägt, könnte ultraviolett-sichtbares Zählen irgendwann ein label-freies Fenster auf Zellgesundheit werden – zuerst in der Kultur, später vielleicht lokal am Gewebe.
2. Kommunikation. Nicht statt, sondern neben Ionen und Transmittern: ein optischer Kanal, der schnell, gerichtet und metabolisch gekoppelt ist.
3. Systemfrage. Der Vagus als elektrisches Kabel & als mögliche Leitstruktur für ein schwaches Lichtnetz zwischen Organen. Das bleibt Hypothese. Sie ist prüfbar: Emission an isolierten Vagusfasern, Korrelation mit Vagusstimulation, Spektren vor und nach Entzündungsreizen.
Die poetische und die wissenschaftliche Wahrheit treffen sich hier
Der Vagus heißt „Wanderer“. Er verbindet das, was wir Denken nennen, mit dem, was verdaut, schlägt und atmet.
Biophotonen sind das leiseste Licht, das Leben produziert. Die Frage, ob dieses Licht eine Sprache ist – und ob der Vagus einer ihrer Kanäle – ist noch nicht beantwortet.
Vielleicht spricht der Körper nicht nur in Millivolt und Molekülen. Vielleicht flüstert er auch in Photonen.
Quelle der Kernmessung: De Paolis et al., Entropy 2026, 28, 112 – First Experimental Measurements of Biophotons from Astrocytes and Glioblastoma Cell Cultures.
Whitepaper
Es gibt bisher kein direktes Experiment, das Biophotonen am Vagusnerv als Informationskanal nachweist.
Was es gibt, sind drei gut belegte Teilstücke und eine plausible, aber unbewiesene Brücke dazwischen.
1. Was der Vagus nachweislich tut
Der Vagus (X. Hirnnerv) ist der längste parasympathische Nerv und die zentrale bidirektionale Leitung zwischen Hirnstamm und inneren Organen.
Zwei Faserbündel (links/rechts), jeweils in der Größenordnung von ~100.000 Fasern; beim Menschen grob 60–80 % afferent. Zellkörper der Sensorik sitzen im Ganglion nodosum/jugulare, zentrale Projektion in den Nucleus tractus solitarii (NTS). Efferenzen gehen u. a. zu Herz, Lunge, Leber, Pankreas, Darm und – über den cholinergen anti-inflammatorischen Pfad – zur Milz.
Die etablierte Sprache ist elektrisch + chemisch: Aktionspotenziale, Acetylcholin, Noradrenalin, α7-nAChR auf Makrophagen. Vagusnervstimulation (VNS) senkt systemische Entzündung, wird klinisch bei Epilepsie genutzt und in Studien bei Depression, CED und rheumatoider Arthritis geprüft. Das ist Mainstream-Neuroimmunologie, kein Spekulationsthema.
2. Was Biophotonen nachweislich sind
Ultra-schwache Photonenemission (UPE, 200–800 nm, typisch wenige bis Hunderte Photonen/s/cm²) entsteht vor allem bei oxidativem Stoffwechsel: ROS, Lipidperoxidation, angeregte Carbonyle, Singulett-Sauerstoff, mitochondriale Atmungskette. Sie ist von Biolumineszenz und thermischer Strahlung zu unterscheiden.
Gesichert:
– Alle untersuchten lebenden Systeme emittieren UPE.
– Stress und Entzündung steigern oft die Rate.
– Hirngewebe & Neurone emittieren; Glutamat steigert die Emission; Korrelationen mit Metabolismus und oxidativem Stress existieren.
– Astrozyten & Glioblastomzellen emittieren messbar über dem Dunkelrauschen; DEA zeigt anomale Diffusion und Langzeitgedächtnis (\(2 < \mu < 3\)), dunkle Kontrollen nähern sich \(\mu \approx 3\). Das ist die Kernaussage der Entropy-Arbeit 2026.
Nicht gesichert: dass diese Photonen ein gerichtetes, decodierbares Kommunikationsprotokoll sind.
3. Die physikalische Brücke: Licht in Nerven
Hier liegt der eigentliche Anknüpfungspunkt zum Vagus – nicht am Vagus gemessen, sondern an peripheren myelinierten Nerven.
Quelle am Ranvier-Knoten. Zangari et al. (2021) zeigten nach elektrischer Stimulation des Ratten-Ischiasnervs silberfotografische Ablagerungen an den Ranvier-Knoten – in völliger Dunkelheit. Interpretation: mit dem Aktionspotenzial entsteht dort photonische Strahlung. Ein früheres Modell derselben Gruppe behandelt Ionenkanäle am Knoten als Nanoantennen-Array (ca. 300–2500 nm).
Myelin als Wellenleiter. Myelin hat einen höheren Brechungsindex als Axoplasma und Interstitialflüssigkeit. Kumar, Boone, Tuszyński, Barclay und Simon (2016) modellierten myelinisierte Axone als optische Wellenleiter; spätere EM-Simulationen finden niedrige Dämpfung in schmalen Spektralbändern, Polarisation kann über mehrere Knoten erhalten bleiben. Weiße Substanz leitet Licht anisotrop entlang der Faserachse stärker als quer dazu.
Der Vagus enthält beide Fasertypen: myelinisiert (Aδ u. a.) und reichlich unmyelinisiert (C-Fasern, viszerale Afferenzen). Ein Wellenleiter-Szenario gilt primär für myelinisiertes Gewebe. Unmyelinisierte Fasern wären optisch ein schlechteres Medium – genau dort, wo ein Großteil der organbezogenen Sensorik läuft.
Astrozyten und enterische Glia wären Kandidaten für Sender/Empfänger: sie emittieren UPE, besitzen photoaktive Moleküle (Flavine, Porphyrine, Opsine wie OPN3), und sitzen an Synapsen und Organbarrieren.
Warum der Vagus besonders interessant wäre
Nicht weil Wellness-Accounts ihn „resetten“, sondern weil er drei seltene Eigenschaften kombiniert:
1. Länge und Organvielfalt – ein einziges Faserbündel koppelt metabolisch sehr unterschiedliche Gewebe.
2. überwiegend afferent – der Körper spricht mehr zum Gehirn als umgekehrt.
3. Immunknoten – Milz und Darmmukosa sind ROS- und Zytokin-reich; genau dort steigt UPE typischerweise.
Wenn Biophotonen irgendwo eine systemische Rolle hätten, wäre ein Nerv, der Entzündungsorte mit dem Hirnstamm verbindet, der naheliegendste Testfall – nicht der bequemste.
Was man als Nächstes messen müsste
Ein realistisches Programm, das die Pisa-Setups und die Nervenoptik zusammenführt:
1. Ex-vivo-Vagus (Ratte/Maus, zervikal) in einer LNF/TOV-artigen Dunkelkammer: Dunkel vs. elektrisch getriebener CNAP, mit und ohne Tetrodotoxin. Frage: steigt UPE spike-gekoppelt?
2. Ranvier-Autographie am Vagus, analog Zangari 2021 am Ischias.
3. DEA auf vagalen Zählreihen vor/nach LPS oder VNS – derselbe \(\mu\)-Test wie bei Astrozyten vs. Glioblastom.
4. Spektrale Fenster: 350–550 nm (Triplett-Carbonyle) vs. Rot/NIR (Singulett-O₂ / mögliche Wellenleiter-Bänder).
5. Myelin-Kontrolle: Vergleich myelinisierter vs. C-Faser-dominanter Bündel; Demyelinisierungsmodelle.
6. Organende: UPE der Milz oder Ileum-Mukosa mit/ohne intaktem Vagus.
Erst wenn (1)+(3) ein vom elektrischen Artefakt getrenntes, statistisch nicht-poissonisches Signal zeigen, lohnt die starke These.
Einordnung
| Aussage | Status |
| Zellen inkl. Astrozyten/GBM emittieren UPE | experimentell, 2026 bestätigt |
| UPE-Zeitreihen haben nicht-triviale Skalierung | experimentell (DEA) |
| Aktive periphere Nerven erzeugen Photonen an Ranvier-Knoten | ein Schlüsselexperiment (Ischias, nicht Vagus) |
| Myelin kann Licht führen | Theorie + indirekte Optik der weißen Substanz |
| Vagus nutzt Photonen als Organ-Sprache | unbelegt |
| Vagus steuert Organe elektrisch/chemisch | etabliert |
Die inspirierende Formulierung aus dem vorigen Text bleibt als Forschungsfrage sinnvoll:
Der Vagus ist der Wanderer zwischen Denken und Verdauen; Biophotonen sind das leiseste Licht, das Stoffwechsel erzeugt.

Dr. Hans-Ulrich Jabs, MD, PhD, MACP-ASIM
Independent Research • Internal Medicine • Geriatrics • Dermatology • Biochemistry • Longevity-Coherence Researcher • Medical Advisor.
©2026, Dr. HU Jabs, SDG.