💡 Was sind Exosomen – die wahren „Kommunikatoren“ unserer Haut?
Exosomen sind winzige, von Zellen abgesonderte Vesikel (30–150 nm), die Moleküle wie Proteine, Lipide, mRNA und microRNA transportieren.
Sie sind die Messenger des Hautstoffwechsels – verantwortlich für Zellkommunikation, Regeneration & Entzündungsregulation (Kose et al., 2022).
Insbesondere stammzell-abgeleitete Exosomen aus mesenchymalen oder Fettstammzellen fördern Kollagensynthese, Wundheilung & antiinflammatorische Prozesse (Thakur et al., 2023); (Wu et al., 2022).
In der extrazellulären Matrix (ECM) orchestrieren sie Zellteilung, Fibroblastenaktivität und Gewebereparatur – dort, wo echte Hautregeneration passiert (Somadder et al., 2024).
Doch: Sobald Exosomen aus diesem biologischen Kontext gerissen werden – etwa in einer Cremeformulierung –, verlieren sie ihre biologische Aktivität. Lipidhüllen zerfallen, RNA wird abgebaut, und von „zellulärer Kommunikation“ bleibt wenig übrig (Haykal et al., 2024).
🌿 Pflanzliche Exosomen – biologische Brücke oder grünes Placebo?
Pflanzliche Exosomen (z. B. aus Reis, Aloe, Ginseng) enthalten tatsächlich Bioaktivstoffe – aber für den Pflanzenstoffwechsel.
Ihre RNA und Proteine sind evolutionär nicht auf menschliche Zellen abgestimmt.
Studien zeigen, dass sie antioxidativ wirken können, aber keine nachgewiesene Wirkung auf menschliche Stammzellen oder Hautregeneration besitzen (Pinto et al., 2025).
Kurz: Pflanzliche Exosomen in Cremes sind eher teure Fett-Tröpfchen als funktionelle Biocarrier.
🧬 Nexosomen – Innovation oder Ersatzprodukt?
„Nexosomen“ (z. B. in der Thermoceutical NEXO-Serie) werden als „Next-Generation-Exosomen“ beworben – angeblich mit stabilerer Struktur, besserer Hautpenetration & pflanzlicher Herkunft.
Doch: Es gibt keine wissenschaftlich publizierten Studien, die Nexosomen als eigene biotechnologische Entität belegen. Der Begriff taucht in keiner dermatologischen Datenbank auf.
Es liegt daher nahe, dass „Nexosomen“ ein Marketingbegriff sind – möglicherweise eingeführt, um regulatorische Hürden zu umgehen:
Die EU-Kosmetikverordnung (KVO) verbietet explizit die Verwendung von humanen Geweben oder deren Derivaten in Kosmetika.
Somit werden pflanzliche oder synthetische Alternativen wie „Nexosomen“ positioniert, um legal die Assoziation zur regenerativen Biotechnologie zu nutzen – ohne deren zelluläre Wirksamkeit.
⚗️ Fazit: Wissenschaft vs. Marketing – wer gewinnt?
Echte Exosomen aus Stammzellen sind medizinisch hochpotent, aber regulatorisch eingeschränkt.
Pflanzliche oder synthetische „Nexosomen“ dagegen sind ästhetische Attrappen – biochemisch aktiv auf dem Papier, aber funktional inert in der Haut.
👉 Die „nächste Generation der Exosomen“ ist also keine neue Molekülklasse – sondern eine Marketing-Generation.
Wenn Kosmetikhersteller Exosomen ernst nehmen wollen, müssen sie sich der Realität stellen:
Ohne lebende Matrix keine echte Exosomen-Wirkung.
📚 Literaturverzeichnis
- Haykal, T., Wyles, K., & Sadick, N. (2024). Exosomes in cosmetic dermatology: A review of benefits and challenges. Aesthetic Surgery Journal Open Forum.
- Kose, O., Botsalı, A., & Kesik, V. (2022). Role of exosomes in skin diseases. Dermatologic Therapy.
- Pinto, A., Giuliani, A., & De Luca, M. (2025). Exosomes in dermatological research: Unveiling their potential in regenerative medicine. Experimental Dermatology.
- Somadder, A., Faraj, M., & James, D. (2024). Effect of extracellular matrices on the production and function of exosomes. Bioengineering Reports.
- Thakur, A., Shah, P., & Singh, R. (2023). Therapeutic values of exosomes in cosmetics and skin care. Frontiers in Cell and Developmental Biology.
- Wu, Y., Wu, M., & Chen, L. (2022). Stem cell-derived exosomes: A new method for reversing skin aging. Stem Cell Research & Therapy.
- Jabs, HU. (2024). Exosomes in Dermatological Aesthetics & Cosmetic. Skin Care. J Clin Dermatol Ther 10: 147.






Dr. Hans-Ulrich Jabs, MD, PhD, MACP-ASIM
Facharzt für Innere Medizin, Geriater & Biochemiker
American College of Physicians – American Society of Internal Medicine
©2025, Dr. HU Jabs.