🧠 Was ist Palmitoylethanolamid (PEA)?
Palmitoylethanolamid (PEA) ist ein körpereigenes Lipid, das im Rahmen von Entzündungsreaktionen gebildet wird. Es gehört zur Familie der N-Acylethanolamine und wirkt über PPAR-α, Cannabinoid-Rezeptoren (CB1), TRPV1 und beeinflusst Immunzellen, Mastzellen und Gliazellen.
🔥 Schmerz: Symptom oder Botschaft?
Schmerz ist nicht einfach nur “unangenehm”. Er ist eine Warnfunktion – die Sirene des Körpers. Doch moderne Schmerztherapie betäubt oft nur, ohne Ursachen zu klären. Chronischer Schmerz führt zur Ausbildung eines sogenannten Schmerzgedächtnisses im zentralen Nervensystem.
Die Lösung? Medikamente, Operationen oder ein molekularer Reset?
🧪 Wie wirkt PEA?
PEA zeigt in Studien:
- Reduktion neuropathischer Schmerzen durch Hemmung neuroinflammatorischer Prozesse (Costa et al., 2008)
- Verbesserung der Nervenstruktur (z. B. Myelinscheiden) bei chronischer Nervenschädigung (di Cesare Mannelli et al., 2013)
- Schmerzreduktion und besseres Wohlbefinden in Meta-Analysen (Viña & López-Moreno, 2025)
💊 Placebo oder Power?
PEA wird als Nahrungsergänzung (z. B. Normast®) verkauft – rezeptfrei, “natürlich”, “ohne Nebenwirkungen”.
Studien zeigen zwar geringe bis keine Nebenwirkungen, aber auch:
- Unklare Bioverfügbarkeit in herkömmlicher Form
- Wirksamkeit v. a. in Kombinationstherapien (z. B. bei Diabetischer Neuropathie) (Sivakumar et al., 2025)
- 💬 Gamechanger oder geschicktes Marketing?
- ✅ PEA hat Wirkung bei chronischem Schmerz – vor allem neuropathisch & entzündlich.
- ⚠️ Es ist kein Allheilmittel und kein Ersatz für ganzheitliche Schmerztherapie, Bewegung, Ernährung oder psychologische Betreuung.
- ❓ Die Frage bleibt: Ist PEA ein echter Fortschritt oder nur der nächste Hype auf dem NEM-Markt mit gutem Image und schwankender Evidenz?
“Schmerz ist nicht das Problem – sondern das übersehene Signal.”
⚠️ Kritik: Normast® – unter der Lupe – was sagt das arznei-telegramm?
Das arznei-telegramm (2012) äußert sich deutlich skeptisch zur Vermarktung von Palmitoylethanolamid unter dem Markennamen Normast®:
„Die Behauptung, Palmitoylethanolamid sei ein ‘neuartiger physiologischer Regulator’, beruht auf unzureichender Evidenz. Die Studienlage ist spärlich, methodisch schwach und interessengeleitet.“ (arznei-telegramm, 2012)
Kritikpunkte im Detail:
- Die meisten Studien zu Normast® seien klein, nicht randomisiert oder nicht placebo-kontrolliert.
- Es gäbe keine überzeugenden klinischen Belege für einen überlegenen Effekt gegenüber Standardtherapien.
- Die Vermarktung als Nahrungsergänzung (nicht als Arzneimittel) erlaube Werbeaussagen, die einer Arzneimittelprüfung nie standhalten würden.
- Der Preis sei hoch im Verhältnis zur nachgewiesenen Wirkung: „kaum Nutzen – viel Geld“.
Die Redaktion warnt daher vor einer voreiligen Anwendung und empfiehlt kritische Zurückhaltung, bis hochwertige, unabhängige Studien mit klinisch relevanten Endpunkten vorliegen.
🧠 Hoffnungsträger oder Hochglanzblase?
- ✅ PEA hat nachgewiesene physiologische Wirkungen, v. a. bei Neuroinflammation.
- ⚠️ Die klinische Evidenz für Normast® ist noch nicht überzeugend genug für eine breite Empfehlung.
- 💰 Der Preis und die aggressive Vermarktung als „nebenwirkungsfreie Alternative“ machen es zum typischen Graubereichsprodukt zwischen Hoffnung & Hype.
“Wissenschaft ohne kritische Bewertung wird zur Werbebroschüre.”
Doppelmoral in der EU-Gesundheitspolitik?
Während Normast®, ein kaum geprüftes Nahrungsergänzungsmittel mit unzureichender klinischer Evidenz, als „hochwirksames Schmerzmittel“ auf Fachkongressen beworben wird – und dabei sogar eine Pharmazentralnummer (PZN) erhält –
wird das essentielle Spurenelement Lithium weiterhin unter Rezeptpflicht gestellt. Und das trotz wachsender Hinweise auf neuroprotektive, antidepressiv wirksame & sogar antiinflammatorische Effekte in Mikro- und Ultramikrodosen.
Warum dieser Widerspruch?
- PEA: Kein Arzneimittel, schwache Studienlage, aber vermarktbar – frei erhältlich mit PZN.
- Lithium: Eindeutig wirksam in Studien, potenziell präventiv bei neurodegenerativen Erkrankungen – nur unter strenger Rezeptpflicht erhältlich, obwohl niedrig dosiert nachweislich sicher.
⚙️ EU – Hüterin der Gesundheit oder Dienerin ökonomischer Interessen?
Man fragt sich:
- Schützt die Rezeptpflicht bei Lithium wirklich den Patienten – oder das Pharmageschäft mit Antidepressiva?
- Warum darf ein Pseudoarzneimittel wie Normast® als Lifestyle-Produkt gehandelt werden, während ein essentieller Nährstoff, der auch im Trinkwasser vorkommt, wie ein Krebsmedikament behandelt wird?
- Welcher Lobby folgt die EU – der Pharmabranche oder doch eher den Rohstoffinteressen der E-Auto-Industrie, für die Lithium ein strategischer Grundstoff ist?
Denn was man verschreibt, kann man nicht frei kaufen. Und was man frei kaufen kann, wird weniger reguliert – aber auch weniger erforscht.
🧠 Wissenschaft braucht Gerechtigkeit, nicht nur Geldfluss
Eine echte Gesundheitspolitik im Dienst des Menschen müsste:
- präventive Substanzen wie Lithium niedrig dosiert zugänglich machen
- kritisch prüfen, welche Nahrungsergänzungen „funktionieren“ – und welche nur Geld kosten
- Transparenz schaffen, nicht nur Marktmechanismen stärken
Normast® wird hofiert, Lithium wird blockiert. Die EU misst mit zweierlei Maß – und Patienten zahlen den Preis.
🏛️ Literaturliste: Palmitoylethanolamid (PEA), Schmerztherapie & Lithium
Das, S., & Balakrishnan, R. (2024). Mechanisms and clinical applications of palmitoylethanolamide in neuroinflammatory disorders.
Costa, B., Bettoni, I., & Giagnoni, G. (2008). The endogenous fatty acid amide palmitoylethanolamide has anti-inflammatory and neuroprotective properties.
di Cesare Mannelli, L., D’Agostino, G., & Ghelardini, C. (2013). Palmitoylethanolamide is a disease-modifying agent in peripheral neuropathy: Behavioral and morphological study in a model of oxaliplatin-induced neurotoxicity.
Viña, J. R., & López-Moreno, J. A. (2025). Meta-analysis of palmitoylethanolamide in pain management: Efficacy and safety across clinical studies.
Luongo, L., Guida, F., & Bellini, G. (2013). Palmitoylethanolamide reduces formalin-induced pain and spinal glial activation: involvement of PPAR-α.
Sivakumar, D., Damini, N., & Sharma, R. (2025). Assessing the effectiveness of add-on therapy of palmitoylethanolamide in diabetic neuropathy: A randomized clinical trial.
arznei-telegramm Redaktion (2012). Normast®: Nahrungsergänzung gegen Schmerz? arznei-telegramm, 46(11), 109–110.




Dr. Hans-Ulrich Jabs, MD, PhD, MACP-ASIM,
Facharzt für Innere Medizin, Geriatrie & Biochemiker,
American College of Physicians – American Society of Internal Medicine
KZAR – Kompetenzzentrum Autonome Regulationsmedizin
©2025, Dr. HU Jabs.