Augenschäden - Kosmetik, NiSV & KVO

Die 4. Dimension der Augenpflege? Oder die 1. Dimension der Augenrisiken? 

Was darf Kosmetik eigentlichund wann wird Wissenschaft zur Marketinghure?

Liebe Kosmetikerinnen, Dermatologie-Fans und alle, die sich gerade in den Social-Media-Feeds von „Weltneuheiten“ verlieren: 

Stellt euch vor, ein Gerät wird als4-dimensionale Cell Performanceverkauft.

Es kombiniert ein hochpreisiges Serum mit dem „kleinsten EMS-System der Welt“ plus roter LED-Photomodulation – direkt auf der empfindlichsten Hautzone des Körpers: der Eye-Contour.

EU-Zulassung? Check.

Wissenschaftliche Expertise eines renommierten Dermatologie-Professors (Prof. Dr. Uwe Paasch)?

Auch da. Alles wird als Kosmetik verkauft, limitiert, nur für „zertifizierte Partner“. 

Klingt geil? Ja.  Aber wo bleibt die Wissenschaft? Die echte.

Die, die nicht nur Wirksamkeit, sondern auch Sicherheit prüft.

Das EXO Regentron Eyecontour (tHermoCEUTICAL® / Landsberg) aktiviert simultan Wirkstoffe, elektrische Muskelstimulation (EMS = Niederfrequenz-/Gleichstrom-EMF) und rote LED.

Marketing spricht von Pflege, Struktur & Kontur in einem.

Dabei wissen wir aus der Physik und der NiSV (Verordnung zum Schutz vor schädlichen Wirkungen nichtionisierender Strahlung bei der Anwendung am Menschen):

Ohne adäquaten Augenschutz drohen thermische Belastung, Austrocknung, Reizung der Hornhaut, Linsentrübung oder Netzhautstress (ICNIRP-Grenzwerte sind nicht nur Theorie).

Chronische Exposition kann genau die Alterungszeichen beschleunigen, die man bekämpfen will.

EMS direkt um die Augen: Elektroden oder Impulsfelder auf Augenmuskeln, Nerven & Bindegewebe?

Risiken sind dokumentiert: Muskelkater, Nervenreizungen, ungewollte Kontraktionen, Kontraindikationen bei Implantaten oder sensiblen Strukturen.

NiSV-Fachkundemodul „EMF-Stimulation listet explizit Nerven- und Muskelschäden, Schmerzen & die Notwendigkeit, Anwendungen am Kopf/Nacken kritisch zu prüfen.

Stattdessen: Prof. Paasch und positive Zwischenergebnisse einer laufenden Studie.

Wissenschaft als Feigenblatt für den Hype.

1. NiSV: EMS + optische Strahlung zu kosmetischen Zwecken = Fachkunde Pflicht (Modul Grundlagen Haut + EMF-Stimulation + ggf. Optische Strahlung).

Vor jeder Anwendung: Aufklärung über Risiken, schriftliches Einverständnis, Gerätebuch.

Anwendung am Auge ist kein „harmloses Pflege-Treatment – es ist regulierte apparative Kosmetik. Wer das ignoriert, riskiert Bußgelder & Schadensersatz.

2. Kosmetikverordnung (VO (EG) 1223/2009): Kosmetika dürfen keine therapeutischen oder medizinischen Wirkungen versprechen.

Cell Performance“, „Konturstraffung durch EMS“ – das klingt verdächtig nach Medizinprodukt.

Die Grenze zur Medizingeräteverordnung (MDR) ist hauchdünn.

Wenn es als Medizinprodukt klassifiziert wäre, bräuchte es eine andere Zulassung, klinische Daten und strengere Haftung.

3. EU-Zulassung als Kosmetik? Schön.

Aber wenn das Gerät Energie in die Haut schießt und medizinische Effekte verspricht, ist die Werbung mit „EU-Zulassung für Kosmetikirreführend.

Das riecht nach unlauterem Wettbewerb (§ 3 UWG). Konkurrenten & Verbraucherschützer könnten klagen.

4. Herstellerhaftung: Der Hersteller haftet für Produktfehler.

Wenn etwas schiefgeht (Augenschaden, Nervenreizung), wird er argumentieren: „Es ist nur Kosmetik, die Kundin hat falsch angewendet.“ Aber wer hat die Risiken verschwiegen?

Bevor ihr das Ding in euren Stories postet, Stories mit „Weltneuheit“ teilt oder es an Kundinnen verkauft:

Fragt explizit nach apparativer Kosmetik mit EMS + LED im Augenbereich. Viele Policen decken genau diese Risiken nicht oder nur mit Zusatz.

Ein einziger Schadensfall (Hornhautverätzung, Linsentrübung, Nervenschaden) kann eure Existenz kosten.

Die, die aus jedem Kongress-Hype (AMWC Monaco, hallo!) sofort ein „must-have“ macht, ohne ein einziges Risiko zu nennen?

Die, die Wissenschaft als Marketing-Tool missbraucht, statt sie als Schutzschild zu nutzen?

Kosmetik darf pflegen. Kosmetik darf nicht heimlich Medizin spielen und dabei Risiken verschweigen.

Die 4. Dimension der Augenpflege ist gerade die Dimension, die fehlt: Transparenz, echte Risikoaufklärung & Respekt vor der empfindlichsten Zone des Gesichts.

Oder lasst esund riskiert eure Lizenz, eure Versicherung und das Vertrauen eurer Kundinnen.

Teilt das, wenn ihr auch die Nase voll habt von „wissenschaftlich fundiert“ ohne die unangenehmen Fakten.

Dr. Hans-Ulrich Jabs, MD, PhD, MACP-ASIM,
Facharzt für Innere Medizin, Geriatrie & Biochemiker,
American College of Physicians – American Society of Internal Medicine
KZAR – Kompetenzzentrum Autonome Regulationsmedizin
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