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“Übersäuerung – die populäre Säurelüge: Warum dein Körper kein Zitronenwasser braucht, um ‘basisch’ zu werden”

🔬 Der Mythos der „Übersäuerung“

Der Begriff „Übersäuerung des Körpers“ ist eines der langlebigsten Gesundheitsmythen des 21. Jahrhunderts.

Anhänger „basischer Ernährung“ behaupten, unsere modernen Ernährungsgewohnheiten – Fleisch, Kaffee, Zucker – würden den Körper „sauer“ machen.

Die Wahrheit: Ein gesunder Mensch kann sich praktisch nicht „übersäuern“, weil unser Organismus über ein hochpräzises System zur pH-Regulation verfügt (Raposa et al., 2022).

Der Verdauungstrakt ist ein Paradebeispiel biochemischer Feinabstimmung:

Das Blut hält seinen pH mit chirurgischer Präzision zwischen 7,35 und 7,45Abweichungen von nur 0,1 können lebensgefährlich sein.

Dieses Gleichgewicht sichern drei Systeme:

  1. Bicarbonat-Puffer (HCO₃⁻/H₂CO₃) neutralisiert sofort Säuren und Basen.
  2. Atmungssystem: Über CO₂-Abgabe reguliert es Säurebildung.
  3. Niere: Scheidet überschüssige Protonen aus oder regeneriert Bicarbonat (McTavish & Sharma, 2018).

Das heißt: Selbst, wenn du literweise Zitronensaft oder Cola trinkst, verändert das deinen Blut-pH nicht messbar – die Puffer sind schneller als jedes Getränk.

Ein Klassiker aus der Esoterik-Ecke: „Beim Essen trinken verdünnt die Magensäure!“ – chemisch unsinnig.

Der Magen reagiert dynamisch: Steigt der pH durch Verdünnung, produziert er mehr Säure, bis der gewünschte pH (~1,5) erreicht ist.

Dein Körper gleicht das in Minuten aus (Yoshimura et al., 1961).

💧 Basisches Wasser & Bäder – Lifestyle ohne Wirkung

Basisches Wasser“ (pH > 8) ist chemisch harmlos, physiologisch aber irrelevant.

Es wird im Magen sofort neutralisiert.

Auch basische Bäder können den Körper-pH nicht beeinflussendie Haut ist keine Einbahnstraße für Ionen (Raposa et al., 2022).

Echte „Azidosen“ sind medizinische Notfälle – z. B. bei Nierenversagen, Diabetes (Ketoazidose) oder schwerer Lungenerkrankung.

Diese Zustände haben nichts mit Ernährung zu tun, sondern mit pathologischen Stoffwechselstörungen (Ayers et al., 2014).

„Übersäuerung“ ist kein Lifestyle-Problem, sondern ein medizinischer Ausnahmezustand.

Dein Verdauungssystem arbeitet mit wechselnden pH-Zonen wie ein fein abgestimmter Reaktor.

Weder „basisches Wasser“ noch „Zitronen morgens auf nüchternen Magen“ verändern das – sie beruhigen nur das Gewissen, nicht die Chemie.

Quellen:

Dr. Hans-Ulrich Jabs, MD, PhD, MACP-ASIM
Facharzt für Innere Medizin, Geriater & Biochemiker
American College of Physicians – American Society of Internal Medicine
©2025, Dr. HU Jabs.

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