Die Wissenschaft der Nutrigenomik und Epigenetik untersucht, wie Nährstoffe und andere bioaktive Substanzen in Lebensmitteln die Genexpression und damit die Gesundheit beeinflussen. Unsere Ernährung spielt eine zentrale Rolle bei der Regulation von Genaktivitäten, die wiederum mit der Prävention von Krankheiten, der Förderung von Langlebigkeit und der Optimierung von körperlichen Funktionen, wie dem Schlaf und der Hormonregulation, in Verbindung stehen.
Epigenetik und Nutrigenomik
Epigenetik bezieht sich auf Veränderungen der Genexpression, die ohne Veränderung der DNA-Sequenz erfolgen. Diese Modifikationen werden durch Mechanismen wie DNA-Methylierung, Histon-Modifikationen und die Wirkung von nicht-kodierenden RNAs hervorgerufen. Die Nutrigenomik befasst sich damit, wie spezifische Nährstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe diese epigenetischen Mechanismen beeinflussen und somit die Genaktivität regulieren (Mathers, 2019).
Mikronährstoffe und Spurenelemente
Mikronährstoffe wie Vitamine und Spurenelemente spielen eine entscheidende Rolle in der Epigenetik und Nutrigenomik. Zum Beispiel sind Zink, Kupfer und Lithium wichtige Kofaktoren für Enzyme, die an epigenetischen Modifikationen beteiligt sind. Zink ist notwendig für die Aktivität von DNA-Methyltransferasen, die DNA-Methylierungsmuster aufrechterhalten (Ho et al., 2003).
Metallothioneine, Proteine, die Schwermetalle binden, sind ein weiterer wichtiger Faktor in der Regulation von Genaktivitäten durch die Bindung und Abgabe von Zink- und Kupferionen. Diese Proteine spielen eine Schlüsselrolle im Zellschutz und der Entgiftung, indem sie überschüssige Schwermetalle binden und ihre toxischen Wirkungen verhindern (Palmiter, 1998).
Sekundäre Pflanzenstoffe und Vitamine
Sekundäre Pflanzenstoffe wie Berberin und Zimt haben eine starke epigenetische Wirkung. Berberin, ein Alkaloid, das in verschiedenen Pflanzen vorkommt, hat gezeigt, dass es die Expression von Genen beeinflusst, die an der Regulation des Glukosestoffwechsels beteiligt sind, und spielt somit eine Rolle bei der Prävention und Behandlung von Typ-2-Diabetes (Cicero & Baggioni, 2016).
Zimt enthält polyphenolische Verbindungen, die ebenfalls eine epigenetische Modulation fördern können, insbesondere durch die Beeinflussung von Genen, die mit der Insulinsensitivität und Entzündungsreaktionen in Verbindung stehen (Qin et al., 2010). Vitamine wie Cholin und Betain sind wichtige Methyldonatoren, die die Methylierung von DNA beeinflussen und somit zur Stabilisierung der Genexpression beitragen (Niculescu & Zeisel, 2002).
Detoxifikation und Longevity
Die Fähigkeit des Körpers zur Entgiftung, unterstützt durch eine ausgewogene Ernährung, ist ein wesentlicher Faktor für die Langlebigkeit. Metallothioneine, Zink und sekundäre Pflanzenstoffe wie Berberin und Zimt spielen eine wichtige Rolle in der Unterstützung der körpereigenen Entgiftungsmechanismen. Diese Substanzen helfen, reaktive Sauerstoffspezies zu neutralisieren und die Belastung durch Schwermetalle zu reduzieren (Dincer et al., 2007).
Nervensystem, Schlaf und Hormone
Nährstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe haben auch einen signifikanten Einfluss auf das Nervensystem, den Schlaf und die Hormonregulation. Lithium und Zink sind beispielsweise für die Aufrechterhaltung der neuronalen Gesundheit unerlässlich, indem sie neuroinflammatorische Prozesse modulieren und neuroprotektive Wirkungen entfalten (Müller-Oerlinghausen et al., 2002). Cholin ist ein Vorläufer von Acetylcholin, einem Neurotransmitter, der für Gedächtnis und Schlaf von entscheidender Bedeutung ist (Blusztajn, 1998).
Bewegung und Genexpression
Bewegung beeinflusst ebenfalls die Genexpression und kann in Kombination mit einer nährstoffreichen Ernährung zu einer verbesserten Gesundheit und Langlebigkeit führen. Regelmäßige körperliche Aktivität fördert die Expression von Genen, die mit der Mitochondrienfunktion und antioxidativen Abwehrmechanismen verbunden sind (Denham et al., 2016).
Schlussfolgerung
Die Interaktionen zwischen Nahrung und unseren Genen sind komplex und von entscheidender Bedeutung für unsere Gesundheit. Durch eine ausgewogene Ernährung, die reich an Mikronährstoffen, Spurenelementen und sekundären Pflanzenstoffen ist, können wir gezielt unsere Genaktivität beeinflussen und so unsere Gesundheit und Langlebigkeit fördern. In der Premium MedWellness-Kur® spielt die Lebensmittelkunde und die Kochkunst eine entscheidende Rolle für Longevity in einem artgerechten Lebensstil besonders im beruflichen Gesundheitsmanagement (BGM).
Literaturverzeichnis
1. Mathers, J. C. (2019). Epigenetics: A New Frontier for Nutrition Research. Nutrition Bulletin, 44(3), 277-285.
2. Ho, E., Courtemanche, C., & Ames, B. N. (2003). Zinc Deficiency Induces Oxidative DNA Damage and Increases P53 Expression in Human Lung Fibroblasts. The Journal of Nutrition, 133(8), 2543-2548.
3. Palmiter, R. D. (1998). The Role of Metallothionein in Zinc Absorption and Distribution in Mammals. The Journal of Nutrition, 128(12), 2677S-2680S.
4. Cicero, A. F. G., & Baggioni, A. (2016). Berberine and Its Role in Chronic Disease Prevention. Frontiers in Pharmacology, 7, 620.
5. Qin, B., Panickar, K. S., & Anderson, R. A. (2010). Cinnamon Polyphenols Regulate Multiple Metabolic Pathways Involving Insulin Signaling and Carbohydrate Metabolism. Journal of Nutritional Biochemistry, 21(8), 541-549.
6. Niculescu, M. D., & Zeisel, S. H. (2002). Diet, Methyl Donors and DNA Methylation: Interactions between Dietary Folate, Methionine and Choline. The Journal of Nutrition, 132(8), 2333S-2335S.
7. Dincer, Y., Telci, A., Kayali, R., & Cakatay, U. (2007). Effect of Alpha-lipoic Acid on DNA Glycation and Oxidation. Gerontology, 53(3), 157-161.
8. Müller-Oerlinghausen, B., Berghöfer, A., & Bauer, M. (2002). Lithium Reduces Pathological Aggressiveness and Suicidal Behavior: A Mini-Review. Neuropsychobiology, 45(1), 5-12.
9. Blusztajn, J. K. (1998). Choline, a Vital Amine. Science, 281(5378), 794-795.
10. Denham, J., O’Brien, B. J., & Charchar, F.J. (2016). Exercise: Putting Action into Our Epigenome. Sports Medicine, 46(5), 629-647.
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Dr. Hans-Ulrich Jabs, MD, PhD, MACP-ASIM
Facharzt Innere Medizin, Geriater & Biochemiker
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KZAR – Kompetenzzentrum Autonome Regulationsmedizin

