Aesthetic Medicine

Dermatologie & Kosmetologie

Hautalterung ist ein komplexer biochemischer Prozess, der von endogenen und exogenen Faktoren beeinflusst wird. Von dem Zustand der Gesichtshaut wird auf Wohlbefinden und Gesundheit geschlossen. In den letzten Jahrzehnten wurden zahlreiche Methoden und Produkte entwickelt, um der Haut ein jugendliches und gesundes Aussehen zu geben. In diesem Review werden Anti-Aging Strategien, Präventionsmaßnahmen, invasive und nicht-invasive Behandlungstechniken und kosmetische Wirkstoffe im Lichte der von Prof. Dr. A. Kligman begründeten Korneotherapie bewertet.

Die Hautalterung ist nur ein Aspekt eines biologischen Prozesses der Veränderung von Organen, Geweben und Zellen des Menschen mit der Zeit. Während innere Organveränderungen erst bei Funktionsausfällen bemerkbar werden, kann die Hautalterung mit bloßem Auge verfolgt werden. Endogene oder intrinsische Faktoren (Genetik, metabolische und hormonelle Veränderungen, Stoffwechselstörungen auf zellulärer Ebene) sind nur in geringem Maße steuerbar, während exogene oder extrinsische Faktoren (chronische UVBestrahlung, ionisierende Strahlung, Rauchen, Umwelteinflüsse, Ernährung, toxische Substanzen) durch dermatologisch-kosmetische Behandlungen oder Änderungen des Lebensstils zu beeinflussen sind. Die Epidermis stellt ein dynamisches System der fortwährenden Proliferation und Differenzierung dar. Die äußere Hautschicht besteht hauptsächlich aus Keratinozyten, Melanozyten und immunkompetenten Zellen.

Das Stratum corneum, die äußerste Schicht der Epidermis, ist von großer Bedeutung für die Barrierefunktion der Haut. Die Barriere wird aus verhornten Hautzellen (Korneozyten) gebildet, die in eine Matrix aus multiplen lamellaren Lipidschichten eingebettet sind. Struktur und Metabolismus der Epidermis haben zwei Hauptaufgaben: Die Haut vor äußeren Einflüssen zu schützen und die Hydratation und das osmotische Gleichgewicht innerer Gewebe aufrecht zu erhalten. Die Alterung der Haut ist ein komplexer biochemischer Prozess, der alle Hautschichten betrifft und zu strukturellen und physiologischen Veränderungen führt. Im Gegensatz zu einer dünnen, atrophischen und trockenen Haut mit feinen Falten bei der intrinsischen Alterung, ist die vorzeitig gealterte, extrinsische Haut durch eine verdickte Epidermis, Pigmentstörungen, tiefe Falten und verminderte Elastizität gekennzeichnet.

Durch nachlassende Elastizität verändert sich die Gesichtskontur von der jugendlichen V-Form zur gealterten U-Form. Zeichen des gealterten Gesichts sind: Volumenverlust, gesteigerte Kontraktion der mimischen Muskulatur, Faltenbildung, Reduzierung des oberflächlichen und tiefen Hautfetts, Absacken der Wangen, Veränderungen des Kiefers durch zahnärztliche Eingriffe und dadurch verändertes Aussehen. Der physiologische Prozess der Hauterneuerung verlängert sich und Wundheilung und Desquamation sind gestört. Diese Faktoren müssen bei ästhetischen Eingriffen und Behandlungen berücksichtigt werden.

Viele ästhetische Verfahren sollen den verlangsamten Zell-Zyklus beschleunigen und erwarten dadurch ein besseres Aussehen der Haut. Dabei muss berücksichtigt werden, dass es bei der Hautalterung zu Veränderungen der Kollagen und Elastinfibrillen kommt und dadurch der Zusammenhalt von Dermis und Epidermis gestört ist. Durch chronische UV-Belastung werden Matrix-Metalloproteinasen und Hyaluronidasen aktiviert und Kollagen und Glycosaminoglykane (GAG) abgebaut. Das Verhältnis von Kollagen-3 zu Kollagen-1 vergrößert sich und die Elastizität sowie Wasserbindungskapazität der Epidermis nehmen ab.

Bei Anti- Aging-Behandlungen müssen diese physiologischen Veränderungen der gealterten Haut berücksichtigt werden. Es wurden zahlreiche “Anti-Falten-Cremes“, Filler, pharmazeutische Produkte und apparative Verfahren entwickelt, die auf strukturelle Komponenten der Haut, Kollagen, GAGs und Elastin gerichtet sind. Anti-Aging-Strategien sollen einen ganzheitlichen, präventiven Ansatz verfolgen, um die vorzeitigen Zeichen des Alterns an Haut und Körper zu minimieren. In diesem Sinne bedeutet “besser aussehen“ nicht unbedingt “jünger aussehen“. Daher ist eine gute Anamnese vor ästhetischen Eingriffen sehr wichtig, um die Wünsche des Patienten mit den umfangreichen Möglichkeiten der ästhetischen Medizin abzugleichen.

Eine Aufklärung über Wirkung und evtl. Nebenwirkungen der eingesetzten invasiven und nicht-invasiven Verfahren ist notwendig, um dem Patienten zum einen die Entscheidungsfreiheit zu lassen, ihn aber auch vor einer Odyssee durch die ästhetische Medizin zu bewahren. Es sollte nicht nur eine reine Faltenbehandlung, sondern eine individuelle Full-Face-Restoration mit einer Hautvitalisierung durch Verbesserung des Stoffwechsels jeder Epidermisschicht, eine Faltenaugmentation und Volumenauffüllung unter Berücksichtigung des Lebensstils und der allgemeinen Gesundheit angeboten werden.

Hautpflege: Eine intakte Hautbarriere ist ein wirksamer Schutz vor Austrocknung, Eindringen von Mikroorganismen, Allergenen, Irritantien, freien Radikalen und vor UV-Schäden. Korneotherapie ist ein neues Konzept zur Modulation der Barrierefunktionen, zur individuellen Behandlung von Hautproblemen und zur Pflege der gesunden Haut.

Der Begriff “Korneotherapie“ wurde erstmalig von Prof. Albert Kligman geprägt [3]. Die Korneotherapie zielt auf eine Sanierung des Stratum corneum ab und verbessert die Funktion der Barriere und die Homöostase der gesamten Haut. Bei Barriereschäden können Schadstoffe und Mikroorganismen in tiefere Hautschichten gelangen und dort Entzündungen und immunologische Reaktionen auslösen. Zusätzlich erhöht sich der transepidermale Wasserverlust (TEWL) und es kommt zu einer trockenen Haut. Kligman formulierte die Outside-in-Therapie als primäres dermatologisches Behandlungsziel mit der Sanierung und Reparatur des Stratum corneum durch geeignete topische Formulierungen. Danach werden Entzündungsvorgänge in tieferen Hautschichten mit geeigneten Wirkstoffen behandelt.

Als Gegensatz dazu stellte er die konventionelle Inside-out-Therapie dar, bei der topische, pharmakologische Wirkstoffe eingesetzt werden, die nur die Entzündung in tiefen Hautschichten behandeln, ohne die Barriere zu beeinflussen. Durch die weiter bestehenden Barriereschäden kommt es daher zu Rezidiven. In klinischen Studien zur Korneotherapie wurde gefunden, dass nicht nur Barriereschäden wie die atopische Dermatitis, sondern auch Verhornungsstörungen und Dermatosen auf die Korneotherapie ansprechen.

Dermatologisch-kosmetische Präparate In der Korneotherapie werden vorzugsweise Präparate mit Membranstrukturen eingesetzt, die chemisch und physikalisch der Situation im Stratum corneum angeglichen sind. Dabei scheint die Anwesenheit von Phosphatidylcholin (PC) eine wichtige Voraussetzung zu sein. Diese Substanz spielt in der Natur als Baustein von Zellmembranen eine herausragende Rolle. In nativer Form ist PC darüber hinaus ein Linolsäure-Lieferant für die Bildung von Ceramid-1. Die Durchlässigkeit (Fluidität) der Hautbarriere kann einerseits kurzzeitig durch Phosphatidylcholin erhöht werden. Diese Eigenschaft entspricht dem Mechanismus bei der Penetrationsverstärkung von liposomal verkapselten Wirkstoffen. Andererseits wird die Fluidität der Barriereschichten durch hydriertes Phosphatidylcholin erniedrigt. Die Hautbarriere kann mit Phosphatidylcholin ganz gezielt auf Durchlässigkeit und Undurchlässigkeit eingestellt werden, eine Eigenschaft, die für den Wirkstofftransport und für einen natürlichen Hautschutz von großer praktischer Bedeutung ist. Phosphatidylcholin wird in hydrierter Form in Membrancremes und in nativer Form in Liposomen und Nanodispersionen eingesetzt [1-4,11].

UV-Schutz und IR-Protektion: Chronische Sonnenbestrahlung der Haut manifestiert sich in einer extrinsischen Hautalterung (Photoaging). Veränderungen an der Erbsubstanz und Produktion von freien Radikalen führen zu den typischen histologischen und klinischen Erscheinungen der UV-geschädigten Haut. Faltenbildung und Pigmentstörungen sind die Folge. Neben Sonnenschutzpräparaten sind Schatten und ein bewusster Umgang mit UV-Exposition wichtige Präventionsmaßnahmen vor extrinsischer Hautalterung. Bei Sonnenschutzpräparaten ist zu beachten, dass ein hoher Lichtschutzfaktor nicht unbedingt einen höheren Hautschutz bedeutet, denn der Wirkungsgrad der verschiedenen Lichtschutzfilter variiert zwischen 50-80% im Vergleich zu dem hauteigenen Melanin. Das bedeutet, dass 50-80% der Photonen in Wärme umgewandelt werden. Die restlichen Photonen induzieren freie Radikale in der Haut. Die in Sonnenschutzpräparaten eingesetzten Lichtschutzfilter absorbieren vorzugsweise Photonen im UV-Bereich. Kein Schutz besteht für Photonen im sichtbaren und infraroten Bereich.

Die extrinsische Hautalterung wird aber besonders durch die in tiefe Hautschichten eindringende IR-Strahlung gefördert, die Matrix-Metalloproteinasen und Hyaluronidasen aktiviert. Die Bildung dieser kollagen- und elastindestruktiven Enzyme kann beispielsweise durch die Vitamine A, C, E und Coenzym Q10 und durch Boswelliasäuren aus dem Weihrauch gehemmt werden. Eine ausgewogene Ernährung mit frischem Obst und Gemüse liefert ausreichend Antioxidantien, um freie Radikale abzufangen. Die vorzeitig gealterte Haut hat aber Defizite im antioxidativen Schutz. Topische Vitaminpräparate benötigen eine spezielle Galenik, um in tiefere Hautschichten zu gelangen. Liposomen und Nanodispersionen sind geeignete Vehikel, um hydrophile bzw. lipophile Substanzen durch die Barriere zu transportieren. Polyphenole wie Epigallocatechingallat aus Grünem Tee und Bioflavonoide wie OPC (Oligomere Pro Cyanidine) aus Traubenkernextrakt sind weitere Antioxidantien, die freie Radikale reduzieren und dadurch Kollagen und Elastin schützen sollen. Retinol (Vitamin A) und Vitamin-A-Säure (Tretinoin) haben ebenfalls antioxidative Wirkung und reduzieren die Expression von Matrix- Metalloproteinasen (MMP-1).

Chemisches Peeling: Unter chemischem Peeling versteht man Behandlungen mit Alpha- und Betahydroxysäuren (AHAs) oder Trichloressigsäure unterschiedlicher Konzentration, die oberflächlich Verhornungs- oder Barrierestörungen durch Abtragen von mehreren Schichten des Stratum corneum bewirken. Es soll die Hautregeneration angeregt und die Zeichen der Hautalterung beseitigt werden. Häufig liegen aber keine Kenntnisse über die Regenerationsfähigkeit vor, so dass es zu einer weiteren Schädigung der Haut durch chemische Peelings kommen kann. Die Eindringtiefe wird durch die Zeit bis zur Neutralisation der Säuren bestimmt. Chemische Peelings führen zu einer Ablation mehrerer Epidermisschichten und reduzieren den hauteigenen Lichtschutz. Aus korneotherapeutischer Sicht schädigen chemische Peelings die Hautbarriere und werden daher nicht für Anti-Aging-Behandlungen empfohlen [5, 6].

Mikrodermabrasion: Mit Mikrodermabrasions-Geräten werden durch mechanisches Schleifen oder “Sandstrahlen“ mehrere Schichten des Stratum corneum abgetragen. Dadurch soll wie bei chemischen Peelings die Hautregeneration angeregt werden. Von einigen Firmen wird die Mikrodermabrasion als fester Bestandteil kosmetischer Anti-Aging-Behandlungen empfohlen. Dabei ist der zeitliche Abstand der Behandlungen zu beachten. Proliferation und Differenzierung der Epidermis dauern normalerweise 28 Tage und verlängern sich bei Hauterkrankungen. Der Behandlungsabstand mit Mikrodermabrasion sollte dem Hautzustand angepasst werden. Die Indikation zur Mikrodermabrasion sollte daher sorgfältig nach einer Hautanalyse gestellt werden.

Mikroneedling: Beim Mikroneedling werden mit feinen Nadeln, die sich auf einer Walze befinden, kleine Perforationen in die Hautbarriere gestochen. Es werden Dermaroller® mit verschiedenen Nadellängen angeboten. Im kosmetischen Bereich sind Roller mit 0,25-0,5 mm Nadellänge zugelassen. Durch die Mikroperforationen können auch hochmolekulare Wirkstoffe in tiefe Hautschichten eingeschleust werden. Im Gegensatz zur Mikrodermabrasion bleibt die Barriereschicht intakt und es wird ein Proliferationsreiz ausgeübt, der zu einer Induktion der Kollagensynthese führt. Strittig ist, ob durch ein Medical Needling mit Nadellängen bis zu 3 mm eine bessere Stimulation der Kollagensynthese zu erreichen ist. Es stellt sich die Frage nach der Qualität des induzierten Kollagens. Ist es ein Reparaturreiz mit Bildung von Narbenkollagen oder werden elastische Kollagen- und Elastinfibrillen gebildet? Medical Needling wird in der Regel unter Narkose durchgeführt. Die Patienten müssen eine längere Ausfallzeit in Kauf nehmen [7].

Ultraschall: Für dermatologisch-kosmetische Anwendungen werden Ultraschallgeräte mit 1, 3 oder 10 MHz Frequenz und unterschiedlicher Schallenergie angeboten. Je nach Frequenz werden verschiedene Hautstrukturen in Resonanzschwingungen versetzt. Dadurch wird die dickflüssige Hautbarriere fluidisiert und Wirkstoffe penetrieren besser in tiefe Hautschichten. Die Schallenergie stimuliert Fibroblasten und regt die Hautregeneration an. Substanzen mit hoher Molekularmasse wie beispielsweise Hyaluronsäure (2,5 Millionen Dalton) können mit Ultraschall nicht “eingeschleust“ werden. Allenfalls wird die gespeicherte Feuchtigkeit durch Ultraschall aus der Hyaluronsäure “gedrückt“. Bei liposomal oder nanopartikulär verkapselten Wirkstoffen bringt eine Ultraschallbehandlung keine nennenswerte Verbesserung der Penetration.

Intense Pulsed Light (IPL): IPL-Geräte emittieren Licht mit einem kontinuierlichen Spektrum. Durch Filterung kann das Spektrum eingeengt werden. IPL wird vorzugsweise zur Enthaarung eingesetzt. Dabei werden die Chromophore der Haare zur Wärmeleitung eingesetzt. Die Lichtenergie verursacht im Haarbulbus eine Mikroverbrennung, die zu einer Reduktion des Wachstums führt. Da Haare in verschiedenen Zyklen wachsen, müssen mehrere Behandlungen durchgeführt werden. Bei der Hautrejuvenation wird IPL-Energie genutzt, um Kollagen zu denaturieren und die Neusynthese zu stimulieren. Kleine Gefäße können mit IPL koaguliert werden. Bei einer Akne-Behandlung mit dem Blauanteil des IPL werden Porphyrine in den Propionibacterien angeregt und führen so zu einem Absterben der Bakterien. Hitzeschock-Proteine werden induziert und stimulieren das hautständige Abwehrsystem. Geeignete kosmetische Wirkstoffe können im Rahmen einer photodynamischen Therapie (PDT) bei bestimmten Wellenlängen des IPL-Lichtes angeregt und in der Wirksamkeit gesteigert werden. Boswelliasäuren absorbieren beispielsweise Licht im roten und infraroten Bereich. Epigallocatechingallat aus Grünem Tee wird durch Rotlicht angeregt. Diese aktivierten Wirkstoffe werden zur Hautregeneration und bei Pigmentstörungen angewandt [8].

Radiofrequenz: Radiofrequenzgeräte liefern elektromagnetische Wellen, die zu einer Erwärmung von Geweben führen. In der Radiochirurgie werden Radiowellen zum Schneiden und Operieren genutzt. Durch eine nadelförmige Elektrode werden die Radiowellen an der Spitze konzentriert. Damit sind sehr gewebeschonende Schnitte durchzuführen. Bei Hautbehandlungen werden spezielle teller- oder konusförmige Elektroden benutzt, die Radiowellen fächerförmig in die Haut leiten. Wie im Mikrowellenherd werden Wasserdipole der Hautfeuchtigkeit (NMF) zu Schwingungen angeregt und erwärmen dadurch das umliegende Gewebe. Die Lipiddoppelschicht der Hautbarriere wird dadurch durchlässiger, Kollagen- und Elastinfasern in der Dermis schrumpfen und Falten werden geglättet. Untersuchungen zur Hautregeneration haben gezeigt, dass Temperaturen bis 41°C Fibroblasten stimulieren. Höhere Temperaturen verklumpen Eiweiße in der Haut und denaturieren wichtige hautregenerierende Enzyme.

Durch eine spezielle Behandlungstechnik werden Wirkstoffkonzentrate in die Haut eingeschleust. Um Wirkstoffe durch die Hautbarriere zu transportieren, muss das elektromagnetische Feld senkrecht zur Hautoberfläche aufgebaut werden. Dies gelingt nur im monopolaren Modus. Dabei befindet sich die aktive Elektrode im Handstück und die Antennenelektrode wird auf die gegenüber liegende Körperoberfläche geklebt. Einige Hersteller werben damit, dass bi-, tri- oder sogar multipolare Radiofrequenzgeräte eine bessere Wirkung auf die Haut haben sollen. Beim bipolaren Modus befinden sich aktive Elektrode und Antennenelektrode im selben Handstück. Beim tri- und multipolaren Modus werden zwei oder mehrere aktive Elektroden gegen eine Antennenelektrode geschaltet. Das elektromagnetische Feld breitet sich zwischen aktiven Elektroden und Antenne aus, also parallel zum Stratum corneum. Wirkstoffe werden dabei nur ins Stratum corneum gelangen und nicht in tiefere Hautschichten. Bei der mehrpoligen Anwendung dürfen auch keine wässrigen Wirkstoffe, sondern nur isolierende, d.h. ölige Substanzen verwandt werden. Wässrige Präparate würden bei bi-, trioder multipolarer Radiofrequenz das elektromagnetische Feld stören und Kurzschlüsse verursachen. Monopolare Radiofrequenz ist eine nicht-invasive Methode, um die Haut zu straffen, Falten zu glätten und mit geeigneten Wirkstoffkonzentraten die Haut zu regenerieren [9].

Aquaporation: Als Aquaporine (AQP) werden Proteine bezeichnet, die Kanäle in der Hautbarriere und in Zellmembranen bilden, um den Durchtritt von Wasser und einigen weiteren ungeladenen Molekülen zu erleichtern (Membrantransport). Sie werden daher auch Wasserkanäle genannt. Bei der Aquaporation gelingt der Transport von dermatologisch-kosmetischen Substanzen – z.B. von liposomalem Feuchtigkeitsfaktor – durch die Barriere mit Hilfe von hochfrequenten Strömen (Radiowellen), wodurch die Feuchtigkeit und Elastizität der Haut erhöht wird. Es wird angenommen, dass die Radiowellen die Transportkapazität der Aquaporine für Wasser durch Konformationsänderungen der Proteine im Kanal und durch Lockerung der Wasserstoffbrückenbindungen vergrößern [10].

Elektroporation: Elektroporation ist ein Verfahren aus der Molekularbiologie, um Zellmembranen vorübergehend durchlässig zu machen. Durch Spannungsimpulse verändert sich die Konformation von Membranbestandteilen und die Membran wird durchlässiger. In dermatologisch-kosmetischen Behandlungsabläufen wird der Schallkopf eines Ultraschallgerätes gegen eine Elektrode eines Elektroimpulsgerätes geschaltet. Durch Ultraschall und durch Spannungsimpulse wird die Hautbarriere durchlässiger für hydrophile und lipophile Substanzen.

Fazit: Während die intrinsische Hautalterung nur wenig zu beeinflussen ist, kann die extrinsische Alterung durch geeignete Präventionsmaßnahmen verzögert und die Haut durch dermatologisch-kosmetische Verfahren im Erscheinungsbild verbessert werden. Die Ästhetische Medizin sollte eine wichtige Rolle bei der Prävention und Regeneration spielen. Die verschiedenen apparativen Verfahren spielen dabei nur eine unterstützende Rolle in einer ganzheitlichen Rejuvenations-Strategie. Die verschiedenen Anti-Aging-Behandlungen müssen nach dem Langzeitergebnis beurteilt werden. Werden Entzündungsvorgänge induziert und dadurch dem Kunden und Patienten eine kurzfristige Verbesserung des Hautbildes und ein Glätten der Falten durch Wassereinlagerung vorgegaukelt, oder wird der Hautstoffwechsel so unterstützt, dass eine nachhaltige Regeneration der Haut erfolgt? Die meisten dermatologisch-kosmetischen Verfahren müssen noch langfristige Behandlungserfolge in kontrollierten Studien nachweisen.

Literatur:
1. Iwai I et al. The human skin barrier is organized as stacked bilayers of fully extended ceramides with cholesterol molekules associated with the ceramide sphingoid moiety. J Invest Dermatol (2012), doi:10.1038/jid. 2012.43, 1-11.
2. Norlén L. Skin barrier formation: the membrane folding model. J Invest Dermatol (201) 117, 823-829.
3. Lautenschläger H. Korneotherapie – Bindeglied zwischen Dermatologie und Kosmetologie. KOKO Kosmetikvertrieb GmbH & Co.KG, Leichlingen (2011).
4. Jabs HU. Stratum corneum – von der Korneobiochemie zur Korneotherapie. Ästhetische Dermatologie (2013) 1, 14-19.
5. Fischer TC et al.Cosmetic Dermatology European Expert Group. Chemical peels in aesthetic dermatology: an update 2009. J Eur Acad Dermatol Venerol (2010), 24, 281-292.
6. Ganceviciene R. et al. Skin anti-aging strategies. Dermato-Endocrinology (2012) 4:3, 308-319.
7. Jabs HU. KorneoBioLift – eine Korneobiologische Faltenbehandlung. Ästhetische Dermatologie (2012) 2, 28-43.
8. Jabs HU. Verbesserung der Hautstruktur mit einer neuartigen Anti- Aging Behandlung mit Intense pulsed Light (IPL) und Boswellia-Nanopartikeln. Ästhetische Dermatologie (2009) 4, 28-33.
9. Jabs HU. Radiowellen und Boswellia Nanopartikel – eine neues Verfahren zur Derma-Rejuvenation. Ästhetische Dermatologie (2010) 4, 18-25.
10. Jabs HU. Aquaporation – Falten und Hautelastizität aus biophysikalischer Sicht. Ästhetische Dermatologie (2011) 3, 17-22. 11. Jabs HU. Elastase – Ziel einer neuen Anti-Aging Strategie bei Hautalterung, Elastizitätsverlust und Faltenbehandlung. Ästhetische Dermatologie (2012) 6, 38-40.

Das neue Modell der Hautbarriere von Lars Norlén:

Cover proposal_Skin_Molecular_Organization_HD

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s