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Die regenerierende Wirkung der Adaptogene

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Als Adaptogene bezeichnet man Substanzen, die die Anpassungsfähigkeit von Organismen verbessert. Adaptogen kommt aus dem Lateinischen «adaptare», anpassen. Manche Pflanzen enthalten Adaptogene Substanzen und sind dadurch in der Phytotherapie von großem Interesse. Solche Pflanzen haben auf den Körper eine regulierende Wirkung. Sie können beim Stress beruhigen und genauso bei Erschöpfung anregen.

Adaptogene Pflanzen haben eine lange Tradition.

Sowohl die ayurwedische als auch die traditionelle chinesische Medizin nutzen adaptogene Pflanzen seit Jahrtausenden. Diese bilden aber keine Wirksamkeitsgruppe im Sinne der konventionellen Pharmakologie, obwohl es zu verschiedenen Adaptogenen bereits zahlreiche präklinischen und klinischen Studien gibt. Nachdem die Wissenschaft sich ursprünglich vor allem auf die antientzündlichen und die mentalen und physischen leistungssteigernden Eigenschaften der untersuchten Adaptogene fokussiert hat, wird nun einen stärkeren Fokus auf ihren möglichen Einsatz bei Erschöpfung und Depression gelegt.

Adaptogene Pflanzen werden seit den 1940er-Jahren erforscht.

Der Begriff Adaptogene wurde vom russischen Biologen Dr. Nicolai V. Lazarev in den 1940er-Jahren geprägt. Lazarev definierte Adaptogene als Substanzen, die ungefährlich, nebenwirkungsfrei, unspezifisch in ihrer Wirkweise aber mit einer regulierenden Wirkung auf ein vorhandenes Ungleichgewicht, unabhängig von dessen Richtung, sind.

In seinem Forschungsteam arbeiteten über Tausend Wissenschaftler, Biologen und Ärzte. Sie untersuchten 4.000 Pflanzen, führten 3.000 klinische Tests durch und identifizierten zwölf adaptogene Pflanzen. Dazu wurden mehr als 1.500 pharmazeutische und klinische Studien publiziert. Doch erst 2002 war in der US National Library of Medicine zu lesen, dass Adaptogene das Immunsystem stärken und die Müdigkeit bekämpfen können. 2011 erkannte die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) erstmals den positiven Einfluss des Adaptogens Rhodiola rosea auf Stresssymptome an. Seitdem wird immer mehr zum Thema Adaptogene geforscht.

Die bislang als Adaptogene geltenden Pflanzen haben keine botanischen und nur bedingt phytochemische Gemeinsamkeiten. Es gibt auch noch keine offizielle Klassifikation. Aufgrund der nachvollziehbaren Nutzung mancher Adaptogene lässt sich aber sagen, dass diese Pflanzenstoffe die körpereigene Reaktion auf Stress regulieren und bei langfristiger Einnahme dem Körper dabei helfen, Energie zu steigern, den Blutzuckerspiegel ins Gleichgewicht zu bringen, Hormone auszugleichen und Entzündungen zu reduzieren.

Adaptogene Pflanzen können unsere Resilienz verbessern.

Die Verbesserung der Resilienz, das heißt unsere Fähigkeit Belastungen wegzustecken und zu überwinden, ist ein alt bekanntes Thema in der Naturheilkunde. Dabei kann es sich sowohl um physische, immunologische, mentale oder emotionale Belastungen handeln. Neben Bewegung und Sport ist die Phytotherapie ein wichtiges Werkzeug zur Steigerung der Resilienz.

Adaptogene erhöhen unsere Anpassungsfähigkeit, wirken regulierend auf die Stressachse (Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse) und unterstützen den anabolen Stoffwechsel. Darüber hinaus enthalten sie auch zellschützende Antioxidantien. Sie helfen uns, gesund, vital und fit zu bleiben, langsamer zu altern und länger zu leben. Sie unterstützen uns, die Ursachen vielfältiger Symptome auszugleichen und den Heilungsprozess bei Erkrankungen anzuregen.

Adaptogene haben einen beruhigenden Effekt und fördern das allgemeine Wohlbefinden. Je nach Art des Adaptogens können sie zudem die Konzentrationsfähigkeit erhöhen, Angstgefühle reduzieren, die Stimmung verbessern und Ausdauer steigern.

Vier adaptogene Pflanzen, die Sie kennenlernen sollten

Ashwagandha

Ashwagandha wird in der traditionellen indischen Heilkunst des Ayurveda als Rasayana bezeichnet. Rasayanas sind Heilmittel, die den Körper stärken und verjüngen. Sie erhöhen die Widerstandskraft gegen Krankheiten und Stress und verleihen einem geschwächten Körper neue Kraft. Im Ayurveda wird Ashwagandha als Mittel für gute Nerven, erholsamen Schlaf und ein langes Leben eingesetzt.

Eleuthero (Sibirischer Ginseng)

Li Shih-Chen, ein berühmter chinesischer Arzt des 16. Jahrhunderts, schrieb: «Ich würde lieber eine Handvoll Eleuthero nehmen als eine Wagenladung Gold und Juwelen». Eleuthero ist in der Tat ein ganz besonderes Adaptogen. Lange Zeit wurde es als «Sibirischer Ginseng» unter den Ginseng-Arten eingereiht. Erst als russische Forscher darin spezielle Wirkstoffe entdeckten, die Eleutheroside, zeigte sich, dass es sich um eine eigenständige Pflanze handelt. Eleuthero ist zugleich ein kraftvolles und sanftes Adaptogen bei Stress. Bei Erschöpfung schenkt Eleuthero neuen Elan und frische Energie.

Maca

Der Legende nach soll Maca im 15. Jahrhundert den Inka geholfen haben, die Stadt Machu Picchu in 2.360 Metern Höhe zu bauen. Die Wurzel der Pflanze (Lepidium meyenii) wird wegen ihrer kraft-, potenz- und fruchtbarkeitssteigernden Wirkungen auch als Peruanischer Ginseng bezeichnet. Es sind die Inhaltsstoffe, die die Pflanze vor den extremen Umweltbedingungen der Anden schützt, die auch beim Menschen Gesundheit, Energie und Ausdauer stärken. Die Wirkung der Macawurzel tritt in der Regel schnell ein und hält lang an.

Schisandra

Die kleine rote Schisandra-Beere ist eine der wichtigsten Heilpflanzen der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Ihr chinesischer Name «Wu Wei Zi» bedeutet «Frucht der fünf Geschmacksrichtungen»: süß, sauer, bitter, scharf und salzig. Diese Geschmacksvielfalt macht Schisandra zu etwas ganz Besonderem, denn jeder Geschmack hat in der TCM seine eigene Heilkraft. Also stärkt Schisandra die fünf Yin-Organe Leber, Nieren, Herz, Lunge und Milz und damit die Lebensenergie Qi. Schisandra hilft bei stressbedingter Ermüdung, verleiht Kraft, Energie und Ausdauer, behebt Schlafstörungen und kann sogar Depressionen lindern.

Eine Kombination von adaptogenen Pflanzen erhöht ihre Wirksamkeit.

Studien belegen, dass die Kombination mehrerer Adaptogene miteinander oder mit anderen natürlichen Substanzen wie Magnesium, Coenzym Q10 oder Kolostrum die Wirkung der einzelnen Stoffe erhöht, wohingegen die Wahrscheinlichkeit von Nebenwirkungen sinkt¹. So verstärkt zum Beispiel Eleuthero die adaptogene Wirkung anderer Pflanzen und reduziert das Risiko selbst geringster Nebenwirkungen².

Die Verbindung von Adaptogenen mit Vitaminen und Mineralien führt zu einer redox-antioxidative Wirkung, welche die einzelner Stoffe übertrifft³. Mit »redox-antioxidativ« wird die zellschützende Wirkung von Antioxidantien bezeichnet. Ein antioxidativer Effekt kommt zustande, wenn antioxidativ wirkende Stoffe ein Elektron an ein Molekül abgeben, das als Folge von Stoffwechselprozessen oxidiert ist. Somit ist das Molekül wieder „vollständig“ und wirkt nicht mehr als freies zellschädigendes Radikal. 

L.C. Mishra, B.B. Singh und S. Dagenais: Scientific basis for the therapeutic use of Withania somnifera (ashwagandha): A review, Alternative Medicine Review (2000) 5(4), 334-346.

S.K. Bhattacharya, A.V. Muruganandam: Adaptogenic activity of Withania somnifera: An experimental study using a rat model of chronic stress. Journal of Pharmacology and Biochemistry Behavior 75(3), 547-555.

B. Jayaprakasam, K.Padmanabhan, M.G. Nair: Withanamides in Withania somnifera fruit protect PC-12 cells from ß-Amyloid responsible for Alzheimer’s disease. Phytotherapy Research (2010) 24(6), 859-863.

Wankhede, S., et al., Examining the effect of Withania somnifera supplementation on muscle strength and recovery: a randomized controlled trial. J Int Soc Sports Nutr, 2015. 12: p. 43.