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Die Polyvagaltheorie – oder warum können Tiere nicht lachen?

Unser Wohlbefinden hängt von einem funktionierenden und anpassungsfähigen Nervensystem ab. Die Anpassungsfähigkeit auf Stress ist von einem aktiven Vagus-Nerv abhängig.

Der Vagus ist für jeden Aspekt unseres Lebens von zentraler Bedeutung. Er kann für Tiefenentspannung sorgen, ebenso wie für eine unmittelbare Reaktion auf Bedrohungen des Lebens wie den Tod.

Er kann Ursache zahlloser Erkrankungen sein. Darüber hinaus kann der Vagus für die notwendige tiefe persönliche Verbundenheit mit anderen Menschen und mit unserer Umgebung sorgen.

Eine objektive Meßmethode für die Aktivität des Vagus ist die Herzratenvariabilität wie beispielsweise die autonom Health® HRV.

Das autonome Nervensystem steuert nicht nur die Arbeit unserer inneren Organe (Magen, Lunge, Herz, Leber usw.), sondern ist eng mit unserem emotionalen Zustand verbunden, der unser Verhalten direkt beeinflusst.

Somit ist die ordnungsgemäße Funktion unseres autonomen Nervensystems für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden sowohl in psychischer als auch in physischer Hinsicht von zentraler Bedeutung.

Bevor es die Polyvagaltheorie gab, herrschte die weithin akzeptierte Auffassung, dass das autonome Nervensystem für zwei verschiedene Zustände verantwortlich sei – für Stress und Entspannung. Die Stressreaktion ist ein Überlebensmechanismus, der aktiviert wird, wenn wir uns bedroht fühlen (Kampf oder Flucht). Danach folgt die Entspannung und Ruhe.

In der früheren Betrachtungsweise des autonomen Nervensystems wurde Entspannung durch den Zustand des „Ruhens und Verdauens“ oder der „Nahrungsaufnahme und Fortpflanzung“ charakterisiert.

Nach dieser alten Interpretation schwankte unser autonomes Nervensystem zwischen den Zuständen von Stress und Entspannung hin und her. Es kommt jedoch zu Problemen, wenn wir uns aus einem Stresszustand nicht mehr lösen können.

Wenn für „Kampf und Flucht“ der sympathische Grenzstang aktiviert wird, werden innere Organe und Muskeln aktiviert.

Wenn der Mensch sich sicher fühlt, wenn er körperlich gesund ist, dann werden Verhaltensweisen aktiviert, die spontane soziale Zugewandtheit begünstigen. Dieses soziale Engagement ist auf die Aktivität von fünf Hirnnerven zurückzuführen: dem vorderen Ast des Vagus (X. Hirnnerv) und den Bahnen der Hirnnerven V, VII, IX und XI.

Alle Hirnnerven aktivieren motorische Nerven im Gesicht, die das Lachen, die Mimik, das Schlucken, das Singen und die beruhigende Stimme steuern.

Arbeiten diese fünf Nerven zusammen, begünstigen sie Sozialverhalten, Kommunikation und Beruhigung.

Nach der Polyvagal-Theorie hat das autonome Nervensystem zusätzlich zu den Funktionen des Bauch-Vagus (ventraler Ast) zwei weitere Aktivitäten, die des Rücken-Vagus (dorsaler Ast) und die Sympathicus-Aktivität des Grenzstrangs.

Die Unterschiede zwischen den Funktionen des Bauch- und Rücken-Vagus-Astes haben tiefgreifende Folgen für die körperliche und seelische Gesundheit und die Genesung.

Die Anatomie der zwölf Hirnnerven

Alle zwölf Hirnnerven haben fast ausschließlich nur eine Aufgabe: sie sind an der Nahrungssuche, an der Kaufunktion, am Schlucken und Verdauen sowie an der Ausscheidung von unverdauter Nahrung beteiligt.

Der X. Hirnnerv ist ein wichtiger Bestandteil des autonomen Nervensystems. Bevor Stephen Porges die Polyvagal-Theorie vorstellte, wurde angenommen, dass der Vagus als einzelne Nervenbahn funktionsiert.

Neuere anatomische Erkenntnisse zeigten, dass die beiden Vagus-Äste – der Bauch- und Rückenast – an zwei verschiedenen Hirnregionen entspringen und ganz unterschiedliche Aufgaben haben.

Die Fasern des Rücken-Vagus durchziehen die Organe unterhalb des Zwerchfells: Magen, Leber, Milz, Nieren, Gallenblase, Harnblase, Dünndarm, Bauchspeicheldrüse, sowie Teile des Dickdarms.

Aber einzelne Fasern haben auch Einfluss auf das Herz und die Lungen.

Ebenso beeinflussen Fasern des Bauch-Vagus die Organe, die oberhalb des Zwerchfells liegen: Herz und Lungen.

Alle drei Anteile des autonomen Nervensystems – Bauch- und Rücken-Vagus und Sympathicus – wirken sich auf die lebenswichtigen Funktionen wie Atmung und Blutkreislauf aus. Jeder der drei Kreisläufe beeinflusst Herz und Lunge auf unterschiedliche Weise.

Die wichtigste Methode zur Untersuchung der verschiedenen Aufgaben des autonomen Nervensystems ist die Herzratenvariabilität.

Mit dem EKG-Sensor und der Autonom Health® App können Sie die drei Kreisläufe des autonomen Nervensystems selbstständig – autonom – messen und den Einfluss von Vagus und Sympathicus auf Ihre Gesundheit und Wohlbefinden messen.

Wenn Sie dann noch Fragen haben, können Sie mich kontaktieren. Ich möchte Ihr Coach für ein besseres Leben und für Ihre Lebensstil-Optimierung sein. www.drjabs.org/

  • Porges SW. The Polyvagal Theory: Neurophysiological foundations of emotions, attachment, communication, and self-regulation. New York Norton, 2011.
  • Porges SM, Liem T. Die Polyvagaltheorie in der Osteopathie. Osteopathische Medizin (2016) 2, 14-20.
  • Porges SM. The Polyvagal Theory: Phylogenetic substates of a social nervous system. International Journal of Psychophysiology (2001) 42, 123-146.
  • Porges SM. The Polyvagal Theory: A subconscious system for detecting threat and safety. Zero to Three: Bulletin of the National Center for Clinical Infant Programs (2004) 24(5), 19-24.
  • Porges SM. New insights into adaptive reactions of the autonomic nervous system. Cleveland Clinic Journal of Medicine (2009) 76, 86-90.