Aesthetic Medicine

Rentner zum Pharmakologischen Abschuss freigegeben !

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Rene Garber:

Cholesterin-Richtlinien – Made in USA!

Die Schulmediziner (diesmal wieder aus Amerika) sind wieder unterwegs in Sachen Cholesterin und Statine.

Im Jahr 2013 enthüllten die „American College of Cardiology“ (ACC) und die „American Heart Association“ (AHA) neue Leitlinien für die Behandlung zu hoher Cholesterinwerte (siehe u.a. http://www.medicalnewstoday.com/releases/281077.php).

Wie es aussieht, sind die „neuen Empfehlungen“ selbst anderen gestandenen Schulmedizinern zu wenig medizinisch, dafür aber zu verkaufs- und pharmamarketinggerecht ausgefallen.
Warum?
Es hatte sich in der Mayo Klinik eine „task force“ (ich nenne sie einfach mal „Arbeitsgruppe“) gebildet, die sich mit den neuen Empfehlungen kritisch auseinandergesetzt hatte und dabei einiges zurechtrücken wollte. Die Arbeitsgruppe vertrat die Meinung, dass nicht alle Patienten per se Statine einnehmen sollten, da auch nicht alle von einer solchen „Therapie“ profitieren. Aber genau das scheinen die neuen Leitlinien aber zu unterstellen. Weiter kritisierte die Mayo Arbeitsgruppe, dass bei der Therapie ein individualisiertes Therapiekonzept zur Anwendung kommen sollte.

Bei den Leitlinien dagegen steht man kurz davor, die Statine ins Trinkwasser zu kippen.

Die Arbeitsgruppe der Mayo Klinik besteht aus Kardiologen, Endokrinologen und Präventivmedizinern, die von sich behaupten, keine Beziehungen zur pharmazeutischen Industrie zu haben.

Wenn man sich ihre Vorschläge so anhört, dann glaube ich sogar, dass da etwas Wahres dran sein könnte. Hier ein paar Beispiele, wie „evidenzbasiert“ die amerikanische Variante der Cholesterintherapie aussieht:

Die „neuen“ Leitlinien von ACC und AHA aus dem Jahr 2013 empfehlen die Verschreibung der stärksten Statine in hohen Dosen für alle Männer, die älter als 65 Jahre sind – auch, (und jetzt festhalten!), wenn es keine Herzerkrankungen in der Vergangenheit gegeben hatte. Verstopfte Gefäße (Arterisklerose). Cholesterin soll Schuld sein, aber hier werden (wieder mal) Ursache und Wirkung verwechselt.

Rentner zum Abschuss freigegeben
Das liest sich für mich, als wenn dort die Rentner zum pharmazeutischen Abschuss freigegeben worden sind, damit man die Ausgaben für Renten einsparen kann. Normale Cholesterinwerte spielen hier auch keine Rolle, denn auch diese Klientel soll kräftig mit Chemie versorgt werden, Hauptsache man ist über 65!

Hier wird das Alter per se zum Risikofaktor erhoben. Oder anders formuliert: Alter = behandlungsbedürftige Krankheit.

Frage: Welche evidenzbasierte Studie hat dies zeigen können? Keine Einzige.
Aber trotzdem werden solche Empfehlungen offiziell gemacht. Wenn es ums Geld geht, dann brechen die scheinheiligen Heuchler der Schulmedizin auch schon gerne mal ihre eigenen Regeln. Auch die Mayo Arbeitsgruppe konnte keine „Evidenz“ in klinischen Studien ausmachen, die diesen Anspruch unterstützen würden. Endlich einmal eine schulmedizinische Institution, die wohltuenderweise mit den eigenen Ansprüchen etwas ernster umzugehen scheint. Daher lehnt die Arbeitsgruppe eine stereotype Behandlung mit Statinen aufgrund des Alters alleine als „Indikation“ entschieden ab. Gut so!

Von wegen Mittel der ersten Wahl
Die Leitlinie versteigt sich auch zur der Behauptung, die Behandlung mit Statinen als Mittel der ersten Wahl gegen kardiovaskuläre Erkrankungen anzusehen. Erst dann kommt die Frage nach gesunden Lebensweisen und Ernährung – wenn überhaupt.

Die „Mayo-Arbeitsgruppe“ lehnt diese Vorgehensweise ebenfalls ab und setzt die Veränderung von Lebensgewohnheiten und Ernährung unter Einbeziehung von körperlicher Bewegung an die erste Stelle. Erst nach drei bis sechs Monaten soll dann eine Reevaluation vorgenommen werden bevor es zur Verschreibung kommt. Das hört sich schon eher nach patientenfreundlicher Medizin an.

Diabetiker sollen Statine erhalten?
Laut Leitlinien sollen alle Diabetiker, ob klein, groß, dick, dünn etc., Statine erhalten – wenn sie älter als 40 Jahre sind. Also auch hier haben wir wieder keinen medizinischen Zustand, der die Indikation bestimmt, sondern das Alter. Super!

Die Arbeitsgruppe hat starke Zweifel, dass alle Diabetiker das gleiche kardiale Risiko haben im Vergleich mit Leuten, die eine entsprechende Geschichte aufzuweisen haben. Die Arbeitsgruppe spricht sich nicht für oder gegen den Einsatz von Statinen bei Diabetikern aus, bei denen ein geringes Risiko für Herzinfarkte oder Schlaganfall vorliegt. Hier verweisen die Mayo Kliniker auf eine individualisierte Herangehensweise bei diesen Patienten.

Statine für alle über 65
Interessant ist auch die neue Empfehlung zur Berechnung der Risikofaktoren in den neuen Leitlinien. Um das großzügige „Versprühen“ von Statinen auf Verschreibungsbasis unter den Patienten gewährleisten zu können, haben die Leitlinien-Mediziner von ACC und AHA die Familiengeschichte „abgeschafft“. Aha!

Denn die neuen Leitlinien sagen aus, dass die Familiengeschichte nur dann relevant wird, wenn das Risiko, das weiter oben schon vordefiniert worden ist, unsicher ist. Oder mit anderen Worten: Wenn ich über 65 bin, dann ist es völlig egal ob ich gesund bin. Ich habe Statine zu nehmen. Familiengeschichte hält da nur auf. Wenn ich Diabetiker über 40 bin, dann… siehe Ausführung vorherigen Satz. Die Mayo Arbeitsgruppe dagegen will sich nicht von der Familiengeschichte als wichtiges diagnostisches Mittel trennen. Gut so! Denn für sie haben eine Reihe von Studien gezeigt, dass die Familiengeschichte ein eigenständiger Vohersagefaktor für ein kardiovaskuläres Risiko ist.

Bestimmung des kardiovaskulären Risikos
Zur Bestimmung des kardiovaskulären Risikos empfehlen die Leitlinien den Knöchel-Arm-Index und die Bestimmung des C-reaktiven Proteins. Die Arbeitsgruppe dagegen fordert die Leidlinien-Medizinmänner auf, etwas fleißiger zu sein und einige andere Untersuchung bei der Beurteilung mit einzuschließen:
Ultraschall-Untersuchung der Halsarterien, um die Dicke der Gefäßwände zu ermitteln und Plaques auszuschließen und Messung der Pulswellengeschwindigkeit, um die Elastizität beziehungsweise Steifheit der Arterien zu beurteilen (ein ganz altes diagnostisches Mittel!). Blutuntersuchungen, um Lipoprotein a zu messen, das ein eigenständiger Faktor für ein kardiovaskuläres Risiko darstellt (endlich wird das mal erwähnt!). Wenn die da wirklich so akkurat arbeiten, kann ich verstehen, warum diese Klinik Weltruf hat.

Fazit
Es ist erschütternd zu sehen, wie die offiziellen „Schulmediziner“ der USA ihre Patienten an die Pharmaindustrie verkaufen. Immerhin wehren sich so renommierte Mediziner (wie die von der Mayo Klinik) gegen ein solch abgrundtiefes … ich sage mal: Verhalten… .
Ob die Vorschläge von der Arbeitsgruppe, wenn die die Leitlinien wären, zu 100 Prozent sinnvoll wären, wage ich allerdings auch zu bezweifeln.

Denn auch hier ist ein „kardiovaskuläres Risiko“ fast gleichbedeutend mit Statintherapie, was so aber nicht zu sein braucht. Wohltuend ist aber die Einsicht der Mayo-Leute, dass

Umstellungen bei Lebensgewohnheiten, Ernährung und körperliche Bewegung Vorrang haben vor der chemischen Statinkeule. Und wenn das nicht hilft, dann kann man Cholesterinspiegel auch natürlich senken.‘

Autor: praxis371

Facharzt für Innere und Ästhetische Medizin - Biochemiker

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