Aesthetic Medicine

Weihrauch – Duft für Götter, Medizin für Menschen

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Die Ärzte der Antike empfahlen Weihrauch zum Reinigen und Verkleben von Wunden sowie gegen Schlaganfälle und Epilepsie“, so ein Artikel vor einigen Jahren in einer Apothekerzeitung. Weihrauch, Gold und Myrrhe waren die Kostbarkeiten des Altertums. In der Volksmedizin Asiens spielen Pflanzenextrakte eine große Rolle. Sie werden als Dekokte (Abkochungen), alkoholische Auszüge, als Verreibungen, in Tabletten, in medizinierten Ölen oder als Körperpackungen angewandt.

Weihrauch ist ein Harz, das aus Wüstenbäumen der Gattung Boswellia serrata, Boswellia sacra, Boswellia frereana oder Boswellia papyrifera durch Anritzen der Rinde gewonnen wird. Hauptanbaugebiete der Weihrauchbäume sind der vordere Orient, hauptsächlich der Oman, Jemen, Somalia und Indien. Das austretende Harz erstarrt an der Luft und wird in mühevoller Handarbeit mit einem speziellen Schabmesser geerntet und auf Weihrauchbasaren gehandelt. Nach Auskunft eines Importeurs wurden 2010 ca. 800 t Weihrauchharz nach Europa importiert. Hauptabnehmer ist die kosmetische Industrie, die vor allem die ätherischen Öle verwendet.

Weihrauch in der Medizin
Die Verwendung von Weihrauch ist in der fernöstlichen traditionellen Medizin vor allem in Indien (Ayurveda) und im vorderen Orient bekannt. Weihrauchextrakte haben antientzündliche Eigenschaften, sind antiallergisch und wirken gegen Tumoren. Von den Inhaltsstoffen der Weihrauchharze sind nach heutigem Wissensstand die Boswelliasäuren die pharmakologisch wirksamen Bestandteile.

Von H. Sashwati wurde der antiinflammatorische und collagenschützende Mechanismus von Acetyl-Keto-ß-Boswelliasäuren aufgeklärt. Außerdem wurde eine Signalkaskade identifiziert, in der Acetyl-Keto-Boswelliasäure die Expression von Matrixmetalloproteinasen (MMP) hemmt, Enzyme, die selektiv Peptidbindungen und Strukturproteine wie Kollagen und Bindegewebe zerstören [1].

Die anti-entzündliche Wirkung von Acetyl-Keto-ß-Boswelliasäuren beruht auf einer selektiven Hemmung der 5-Lipoxygenase, einem Schlüsselenzym für die Biosynthese von Leukotrienen. Die apoptotische Wirkung von Boswelliasäuren scheint wirksam Tumorwachstum zu hemmen, wie von Ammon und Simmet bei Hirntumoren gezeigt wurde. Chemopräventive und therapeutische Effekte der Acetyl-Keto-Boswelliasäuren wurden bei der Behandlung von verschiedenen Krebsarten berichtet
[2, 3]. Neueste Forschungsergebnisse zeigten, dass Cathepsin G das molekulare Ziel der Boswelliasäuren ist. Die Hemmung von Cathepsin G verhindert den Abbau von Elastin, Kollagen und Hyaluronsäure. Die Einnahme von Boswelliaextrakten erniedrigte die Entzündungsaktivität bei chronischen Darmerkrankungen wie Morbus Cohn und Colitis ulcerosa [4].

Weihrauch als präventiver Nahrungszusatz
Die Bioverfügbarkeit von Phytowirkstoffen ist eine große Hürde bei der Übertragung von in vitro Ergebnissen in therapeutische Konzepte. Dabei spielen Wasserlöslichkeit und die Neigung zur Aggregation besonders bei Polyphenolen und Triterpenen eine Rolle. In der Galenik dieser Wirkstoffe sind phosphatidylcholinhaltige Vehikel vielversprechende Transportsysteme. Die Bioverfügbarkeit von Boswelliasäuren kann deutlich durch Verkapselung in Liposomen oder Nanopartikel verbessert werden.

Bei Aufnahme mit der Nahrung muss die Barriere der Darmschleimhaut überwunden werden, um nennenswerte Konzentrationen von Boswelliasäuren im Blut zu erreichen. Jan Hüsch zeigte mit seiner Arbeitsgruppe, dass die Aufnahme und Bioverfügbarkeit der verschiedenen Boswelliasäuren durch phosphatidylcholinhaltige Transportsysteme deutlich verbessert werden konnte [5]. In den USA ist ein patentiertes, klinisch geprüftes, diätetisches Boswellia-Supplement unter dem Handelsnamen 5-Loxin® als Nahrungsergänzung bei Osteoarthritis verkehrsfähig.

Weihrauch in der Kosmetik
Die Behandlung von entzündlichen und bösartigen Hauterkrankungen mit Weihrauchextrakten oder mit isolierten Boswelliasäuren und deren Derivaten wurde erstmals 2005 in Kenntnis der alten ayurvedischen Schriften beschrieben [6, 7]. Atopische Dermatitis, aktinische Keratosen, Psoriasis, Rosacea und andere Hauterkrankungen sind durch Barriereschäden und chronische Entzündungen charakterisiert. Es konnte gezeigt werden, dass nanopartikulär verkapselter Weihrauchextrakt hochwirksam bei entzündlichen Hauterkrankungen ist und eine deutlich faltenglättende Wirkung hat. Um die Hautschädigung durch hohe Elastaseaktivität hemmen zu können, müssen Wirkstoffe die Schutzbarriere der Haut überwinden und dann in ausreichender Konzentration tiefe Hautschichten erreichen.

Beim Transport von eingekapselten Wirkstoffen ist zwischen Penetration und Permeation zu unterscheiden. Unter Penetration versteht man das Eindringen in die Hornschicht, unter Permeation das Durchdringen der gesamten Haut. Die Hautbarriere wird aus einer für hydrophile Substanzen fast unüberwindbaren Lipidschicht gebildet. Um diese Lipidschicht zu durchdringen, müssen Wirkstoffe in geeignete Transportvehikel wie beispielsweise Liposomen oder Nanopartikel verpackt werden. Die Hülle von Liposomen besteht aus Phosphatidylcholin-Doppelmembranen (engl. Bilayer), die in der Natur zum Aufbau von Zellmembranen benötigt werden. Nanopartikel haben ebenfalls eine Phosphatidylcholinhülle. Allerdings besteht diese Membran aus einem Monolayer. In Liposomen werden hydrophile, in Nanopartikel lipophile Substanzen verkapselt. Die Vehikelhülle ist nicht nur eine Transportverpackung, sondern enthält wichtige hautregenerierende Wirkstoffe wie mehrfach ungesättigte Fettsäuren und Cholin, einen Stoff, der zellschützende Funktionen hat.

Boswellia-Nanodispersionen zeigen bei topischer Applikation eine sehr gute Wirksamkeit bei entzündlichen Hauterkrankungen wie Neurodermitis, Akne, Psoriasis und Dermatitis sowie bei proliferierenden Hauterkrankungen wie aktinischer Keratose [8].

Fazit
Weihrauch wird seit Jahrtausenden nicht nur zu kultischen Zwecken, sondern auch als Heilmittel verwendet. Neueste Forschungsergebnisse zeigten, dass Boswelliasäuren aus Weihrauch vielversprechende Phytopharmaka sind und in topischer und oraler Form besonders gegen Entzündungen wirken. Als Nahrungsergänzung kann Weihrauch unterstützend bei entzündlichen Haut- und Gelenkerkrankungen sowie chronischen Darmerkrankungen eingesetzt und somit die Lebensqualität verbessert werden. Nicht nur ein Duft für die Götter, sondern auch Medizin für die Menschen.

Literatur
1. Sashwati et al. DNA and Cell Biology (2005) 24 (4), 244-255
2. Glaser T et al. Br J Cancer (1999) 80, 756-765;
3. Winking M et al. J Neurooncol (2000) 46, 97-103
4. Tausch L et al. J Immunol (2009)
5. J Hüsch et al. Fitoterapia (2013) 84, 89-98
6. HU Jabs. Ästhetische Dermatologie (2005) 4, 31-32
7. P Calzavara-Pinton et al. Dermatologic Therapy (2010) 23, 28-32
8. HU Jabs. Ästhetische Dermatologie (2009) 4, 28-33.

Autor: praxis371

Facharzt für Innere und Ästhetische Medizin - Biochemiker

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